“Weniger ist mehr”, hatte meine Ex-Chefredakteurin immer gesagt, wenn ein Text wieder mal zu lang oder ein Budget vorzeitig ausgeschöpft war. Wir, die Arbeitsbienen in der Redaktion haben dann recht offen gegrinst, weil die Texte deshalb nicht kürzer oder das Geld mehr wurden.

“Weniger kostet mehr” ist das Fazit meiner Testfahrt mit Brave Origin.

Plus: Brave Origin ist wie der originale Brave-Browser der Schrecken der werbetreibenden Industrie. Er ist ein schneller Browser, aber: Spielt das im 21 Jahrhundert zumindest in Büros und Wohnungen mit Breitbandanschluss überhaupt noch eine Rolle? Er ist, ausführlicheren Tests und der Empfehlung von Sicherheitscrack Kuketz zufolge, einer der datenschutz- und privatsphärenfreundlicheren Browser. Und meinen unwissenschaftlichen Beobachtungen zufolge verbraucht Brave Origin weniger Rechenleistung als z.B. Firefox.

Minus: Brave Origin gibt es nur für Desktoprechner als Standalone-Browser, ohne den ganzen Krypto-, KI- und sonstigen Kram, der mich bisher immer auf Abstand gehalten und zu Alternativen wie Firefox oder Vivaldi zurückgetrieben hat. Die Mobilversionen dagegen haben dagegen den gleichen Funktionsumfang wie der klassische Brave-Browser behalten und nur die Möglichkeit erhalten, Unerwünschtes abzuschalten. Man nennt das dann “Upgrade”, so, so. Dafür, dass man vorhandene Funktionen einfach nicht nutzt und abschalten darf, 55 oder (mit Apple-Tax) fast 70 Euro abdrücken (außer als Linux-Nutzer, der/die Brave Origin gratis bekommt, warum auch immer)? An offer we cannot refuse?

Ein Grund zum Nachdenken: Wenn für das Weglassen von Funktionen, die der Mensch auch einfach ignorieren könnte, derart happig viel Geld verlangt wird, ist Brave Origin nicht nur um die (dann nicht mehr) sichtbaren Funktionen abgespeckt (sondern um welche noch?) - oder es ist Geldschneiderei. Nicht, dass sowas nicht auch anderswo vorkäme.

Ganz ehrlich: Browsermachen kostet Geld. Mozilla bekommt seit Jahren für Firefox von Google Geld, viel Geld. Andere finanzieren sich eben doch über Werbung, über Kooperationen etc. Brave Inc. versuchts mit einem neuartigen Premium-Modell: Weniger kostet mehr. Auf die Idee muss einer erst mal kommen.