Warum eigentlich Debian? Warum Ubuntu & Co - und nicht eines dieser anderen, schickeren Linux-Betriebssysteme, von denen alle reden?
Das sind so Fragen, die mir nicht gestellt werden, wenn ich - z.B. mit Kursteilnehmern - darüber spreche, welches Linux das Richtige sei, um Windows auf älteren Rechnern oder auch überhaupt zu ersetzen. Stattdessen sind es Fragen nach bestimmen Anwendungen, den Vorteilen einzelner Desktop-Environments, Fragen nach der Sicherheit des neuen Systems. So Zeuchs halt.
Also frage ich mich eben selber: Warum empfehle ich Einsteigern Linux Mint, Ubuntu und seine Brüder oder gleich Debian - und nicht ein Linux aus der Red Hat- oder der Arch-Familie? Könnte ja schließlich sein, dass die Interessentin oder der interessierte Neuling beispielsweise im Job nach der dortigen Umstellung auf Freie Software auf Fedora oder RHEL, beides Abkömmlinge der Red Hat-Familie treffen - und mit etwas arbeiten sollen, das möglicherweise ganz anders aussieht und auch ein bisschen anders funktioniert als dieses Debian, von dem K.K. immer redet.
Ja, kann passieren. Wird auch passieren, so wie die Linuxwelt eben ist. Deal with it.
Mein Grund, warum ich Debian oder Debian-Abkömmlinge empfehle: Trotz Erfahrungen mit Red Hat-Nachkommen, SuSE und sogar ein wenig Gentoo habe ich mich in den letzten Jahrzehnten am intensivsten mit Debian-Systemen beschäftigt (und kann Fragen dazu auch am leichtesten - nun ja, am wenigsten peinlich ‘rumgestottert - beantworten) - und fühlte mich damit auch am besten bedient. But hey, that’s just me!
Die wirklichen Gründe
Die Einsteiger/innen, also die Zielgruppe wirklich überzeugen sollten allerdings andere Gründe:
- Mit Linux Mint und Ubuntu kommen die anerkannt einsteigerfreundlichsten Linices (vulgärlateinischer Plural zu “Linux”) aus der Debianwelt.
- Stichwort “freundlich”: Zum Einstieg gehört in jedem Fall, Fragen zu haben und Antworten zu suchen. Und der Umgangston ist - meiner subjektiven Einschätzung zufolge - in Debian/Ubuntu/Mint-Foren um Klassen freundlicher und hilfsbereiter als anderswo. Hilfarme (= Gegenteil von “hilfreich”) Antworten wie “Das hat man eben davon, wenn man immer ein topaktuelles System haben will” oder auch der Klassiker RTFM ("Read the f—ing manual") kommen dem Fragenden eher in den Umgebungen hipperer Linux-Distros entgegen. Nur eine Formsache - stört mich aber trotzdem.
- Ebenso unwissenschaftlicher Eindruck: Allein durch die Verbreitung von Ubuntu, Linux Mint und Debian gibt es hier die größte Auswahl an Anwendungen, Tools, Apps etc. Das hat sich mit der Einführung von universal einsetzbaren Softwarepackungen wie Flatpak zwar ein wenig nivelliert, aber gerade kleinere oder Einzelentwickler schaffen es einfach nicht, für jede Distro ein eigenes Paket anzubieten und vorzuhalten.
Und umsteigen kann der Mensch dann ja immer noch. Wird er oder sie vielleicht aber gar nicht tun, weil Distrohopping doch eher ein Minderheitenhobby ist.