Vor ungefähr einem Jahr fragte mich meine Tochter (yay, meine Tochter fragt mich um Rat!), welches Smartphone sie sich als nächstes zulegen solle. Nun ist sie (oder war es damals) nicht nur 29 Jahre alt, sondern sehr umwelt- und nachhaltigkeitsbewußt, war vor vielen Jahren bei den ersten “Friday for future”-Demos mitgelaufen, und schließlich haben sie und ihre Generation mit der Welt fertigzuwerden, die wir ihnen hinterlassen werden.
Sie überlegte sich deshalb, ein Fairphone zu kaufen, und fragte, was ich wohl dazu dächte. Ich gebe es zu: ich hatte mich damit noch nicht wirklich beschäftigt, hatte aber gehört, dass Fairphones 1. Android als Betriebssystem hätten und 2. nicht sooo lange mit Updates versorgt werden.
Schon Grund Nr. 1 trieb mich dazu, ihr davon abzuraten; sie kaufte sich dann ein iPhone. Inzwischen weiß ich es anders, vielleicht sogar besser. Denn einerseits gibt es das Fairphone auch mit entgoogletem Betriebssystem, und andererseits mit sechs bis acht Jahren Update-Garantie. Sie spielen in der Hinsicht also in einer Klasse mit (neuen) iPhones.
Durch einen Artikel im Netz (leider vergessen, wo) bin ich dann auf Murena gestoßen, eine Firma, die sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Mitmenschen (nun ja, ihre Kunden…) von Google so weit wie möglich zu befreien. Gegründet und geleitet wird Murena von Gaël Duval, und da läuteten bei mir die Erinnerungsglocken. Duval gehörte zu den Begründern von Mandrake, der ersten Linuxdistro, mit der ich wirklich und dauerhaft gearbeitet habe, ist also fast sowas wie ein alter Bekannter.
Seit neun Jahren arbeitet Duval inzwischen an /e/OS, einem entgoogleten Android, geforkt vom ebenfalls google-freien LineageOS, bietet aber mit Murena nicht nur Smartphones fast aller Preisklassen mit vorinstalliertem /e/OS an, sondern auch eine Alternative zu Googles Workspaces, incl. Mail, Cloudspeicher, Online-Office, verschlüsseltem Speicher, was nicht sonst noch so. Das hat die Firma nicht etwa selbst entwickelt, sondern aus bekannten und anerkannten Produkten zusammengestellt - wie CryptPad, OnlyOffice, NextCloud etc.
Das - also die Phones und die Arbeitsumgebung - gefallen mir außerordentlich gut. Und ich musste mich sehr an meine eigene Argumentation re. Nachhaltigkeit erinnern. Denn mein iPhone ist erst anderthalb Jahre alt - also viel zu jung, um es nachhaltig entsorgen zu können. Und mein Mail-, Cloud- und Sonstso-Setup ist gut, zuverlässig und im Voraus bezahlt.
Note to self: Never touch a running system. Und schmeiß nichts weg. was noch gut ist.