Wenn ich in der Vergangenheit gefragt wurde (und oft genug auch, wenn nicht), welchen sicheren Mailanbieter ich empfehlen würde, bekam der/die Fragende zuerst ein entschiedenes “Keinesfalls GMail!!” zu hören und dann das, was auch Suchmaschinen auf eine entsprechende Anfrage unweigerlich zurückschmeißen: eine Empfehlung für Proton Mail, Tuta, Soverin oder auch mailbox. Mit Ausnahme von Soverin habe ich meine Mail in der Vergangenheit schon über alle dieser Anbieter geschickt - immer mit der eigenen Domain, um bei Gefahr (??) oder Langeweile (???) damit umziehen zu können. Und alle drei Anbieter haben mich nicht enttäuscht. Ja, da gab es den einen oder anderen Punktabzug in der usability, den ich für die Sicherheit verschlüsselter Nachrichten in Kauf genommen habe, aber grundsätzlich sind das alles solide und vor allem sichere Anbieter.

Warum schreibe ich das dann überhaupt?

Hier kam mir irgendwann etwas in die Quere, das ich mit risk assessment, also Risikoanalyse bezeichnen würde, wenn das Wort nicht schon eine Nummer zu groß für mein Problem wäre. Und die ergab, dass ich als Journalist im Ruhestand und Nicht-Geheimnisträger, pardon: “nichts zu verbergen habe”. Da, jetzt hab ich’s gesagt.

Damit meine ich natürlich nicht rpt. nicht, dass mir Datenschutz und Privatsphäre im 69. Lebensjahr plötzlich wurscht geworden wären. Aber angesichts der Tatsache, dass sich in meiner Mailbox inzwischen hauptsächlich Bestellbestätigungen, Rechnungen und ähnlicher Sch*** plus vergleichsweise weniger “echter” (also nicht von Systemen, sondern von echten Menschen geschickten) Nachrichten finden, machte ich mir doch Gedanken darüber, ob der ganze Kram wirklich panzerknackersicher verschlüsselt werden muss. Zumal seriöse Mailanbieter auch jenseits der oben genannten Drei- bis Vierfaltigkeit die Mails ihrer Kunden im Ruhezustand verschlüsselt lagern und auf Wunsch nur verschlüsselt übermitteln.

Also immer noch nicht GMail, auch wenn leider eine Mehrheit der Menschen, die echte Nachrichten an mich schicken, dies von GMail aus tun und so meine Korrespondenz doch da gespeichert ist, ohne dass ich was dagegen unternehmen könnte.

Auf meiner Seite des Briefkastens verzichte ich dagegen seit einiger Zeit auf den ganzen Sicherheitskram, genieße stattdessen wieder ungebremsten IMAP- oder sogar JMAP-Zugang, habe trotzdem ein mit 2-Faktor-Authentifizierung gesichertes Postfach und einen Anbieter, der regelmäßig (und das ist nicht unwichtig) Transparenzberichte veröffentlicht. Das trifft zum Beispiel auf das o.a. Angebot von mailbox zu, aber auch auf genügend andere Anbieter. Es reicht, die kurze Checkliste abzuarbeiten.

Für sicherheitsempfindliche Nachrichten nützen meine Umgebung und ich inzwischen sichere Messenger - und für den Fall der Fälle gibt es immer noch PGP. Habe ich im Leben noch nicht gebraucht…