Zwischen den Zeiten, zwischen den Seiten

Seit mehr als sechs Jahren findet an dieser Stelle, unter wechselnden Überschriften und an wechselnden URLs, Weblogging statt. Damals, vor sechs Jahren, wusste ich noch gar nicht, dass es ein Weblog ist, das ich da betreibe; als ich es dann, ein/zwei Monate später, wusste, gehörte ich zu einer geschätzten Hundertschaft, die sich in Deutschland das Web auf eine neue Art zunutze machten. Man begrüßte sich und wurde begrüßt, man gab sich Tipps, tauschte sich über Software und Design aus und war meistens unter sich. „Die anderen“, das waren die, die ein Tagebuch im Netz schrieben, und die ganz anderen hielten AOL für einen Internet-Provider.

Fünf Jahre und einige tausend Einträge später wurde ich ein wenig unruhig. Alle bloggten, gut, und nahmen damit an der publizistischen Revolution teil. Alle waren vernetzt mit Trackbacks und freuten sich über Postings, die dreißig, vierzig oder noch mehr Kommentare hervorriefen. Na und? Die gerade erwähnte Revolution war angestoßen, das schon, aber das Ergebnis war doch meist, von immer noch sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, ein – Tagebuch. ‚tschuldigung, aber es ist so.

Damals machte ich mich auf die Suche nach Alternativen, spielte eine Zeitlang mit liquidtext, bis auch das wieder einschlief. Und ich betrieb weiter ein Weblog, unter dem alten Namen WorldWideKlein, inzwischen hier, an dieser Stelle. Es war zur Gewohnheit geworden.

Nach langem Nachdenken habe ich aber eins erkannt:

Wer nach Alternativen zum Weblog oder anderen Formen des grassroot journalism sucht, kann kein Weblog nebenher betreiben. Es kostet zuviel Zeit, verführt dazu, in den bewährten und inzwischen etwas ausgelatschten Bahnen zu denken und zu schreiben, stellt keine Herausforderung mehr dar und ist somit nichts als eine Sache der Bequemlichkeit.

Deswegen ist jetzt Schluss. Es ist keine kreative Pause, es ist keine Atempause vor der nächsten Runde Blog 1.0, es ist Schluss. Die URLs der Postings der letzten Monate bleiben zur Abwechslung permanent (ein Vorteil von statischen Seiten), die Kommentarfunktion ist abgeschaltet, vielen Dank fürs treue Mitlesen, das wars.

Doch, es wird sich wieder was tun an dieser Stelle im Netz, bald sogar. Die Suche nach neuen Formen beginnt erst, und sie wird auch unter der Domain bluelectric.de stattfinden. Nutzer von Feedreadern aller Art können deshalb die Adresse des bluelectric-Feeds in ihrer Liste behalten und werden an gleicher Stelle informiert, wenn sich hier etwas tut. Bluelectric II wird kein fertiges Produkt sein, es wird ein Experiment sein, es wird hoffentlich ein interessanter Ort zum Vorbeigucken sein, aber eins wird es nicht sein: ein Weblog.

Bis die Tage!