Zwei Schlussfolgerungen und ein schwarzes Telefon

Aha. Die NSA und ihre Freunde vom (von der?) GCHQ kriegen den Hals nicht voll und lesen also auch unsere SMSen. Sagt ein Snowden-Dokument von 2011, zu sehen (wo sonst?) beim Guardian. Daraus ergeben sich für mich einige Dinge:

  • Jeder Terrorist, der sein Geld auch nur einigermaßen wert ist, verzichtet spätestens jetzt auf jegliche Art von Kommunikation über öffentliche Infrastruktur. Brieftauben, tote Briefkästen und nächtliche Treffen im Wald bei Gewitter sind im Jahre eins nach Snowden viel zeitgemäßer.
  • Wir anderen, der große Rest von Nicht-US-Bürgern, Nicht-Bundesbürgern, Nicht-Terroristen und sonstigen „non-targets„, die wir nichts zu verbergen haben und uns deshalb aus Sicht unserer Regierungen doch nicht so haben sollen, beschäftigen unterdessen auch in Zukunft NSA & Co. mit unserem an sich zwar privat gemeinten, aber doch weiterhin für die Schlapphüte greifbaren Mitteilungen. So ist sichergestellt, dass die Mitarbeiter von NSA & Co. weiter in Lohn und Brot sind und nicht etwa auf der Straße landen, wo sie Unsinn anrichten könnten.

Im Ernst: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ (Max Liebermann 1933 angesichts eines SA-Zuges, zit. n. jetzt.de u.a.) Ich bin sonst sehr sehr vorsichtig mit allen argumentativen Assoziationen mit der Hitlerei; das Liebermann-Zitat (wenn es denn von ihm ist) allerdings spricht mir aus sehr vollem Herzen.

Was tun? Nun können wir einfach das Internet für kaputt erklären. Wir können es unserer Regierung nachtun und resignieren (oder ist es gar nicht Resignation, sondern grob fahrlässiges Desinteresse?). Wir können uns aber auch wehren – jeder für sich nur im kleinen Maßstab, aber zusammen sind wir unausstehlich schwer entschlüsselbar.

Wir können (Mantra:) unsere Kommunikation verschlüsseln – nicht in der Hoffnung, dass diese Verschlüsselung nicht zu knacken wäre, aber im Wissen, den Schlapphüten das Leben und die Arbeit damit schwerer zu machen. Und die Vorstellung, dass Schlapphüte immer mehr Geld, Zeit und Arbeit aufwenden müssen, um immer mehr verschlüsselte Einkaufslisten und ähnlich banalen Quark zu entschlüsseln, erheiterte mich bei aller Wut dann doch – wenn es nicht letztendlich unser Geld wäre.

Und wir können hoffen, dass das Blackphone bald kommt, dass es hält, was seine Macher versprechen, und dass die beiden Firmen dahinter, Geeksphone und Silent Circle, einen Kompromiss finden zwischen den Anliegen, Technik unter die Leute zu bringen (Geeksphone), und dem, mit dem Versprechen von mehr Sicherheit Geld zu verdienen (Silent Circle). Oder anders: Hoffentlich wird das Blackphone sicher und bezahlbar, dass es möglichst große Verbreitung findet.

Damen und Herren, was Sie hier sehen, ist ein Wettrüsten im Kampf um Privatsphäre und Anonymität. Geben Sie nicht auf, Damen und Herren, kämpfen Sie mit!

La lotta continua.

4 Gedanken zu „Zwei Schlussfolgerungen und ein schwarzes Telefon“

  1. Ich kenne mich da vielleicht nicht ganz so tief aus, wie ich gerne würde, aber ist da nicht ein kleiner Denkfehler in der ganzen Angelegenheit? Muss die NSA nicht „nur“ so lange versuchen, eine meiner verschlüsselten Mails zu entschlüsseln, bis sie es *einmal* geschafft hat? Haben die nicht ab da dann den Schlüssel zu all meiner verschlüsselten Kommunikation, die ich mit diesem PGP-Key tätige?

    Abgesehen davon : gab es nicht inzwischen Gerüchte (oder stärkeres) über Backdoors in sämtlichen Kryptoverfahren? Dann wäre das alles ja sowieso hinfällig.Oder? Ich wäre natürlich über ein Dementi froh 🙂

    • Das ist richtig (das mit dem einmal Knacken), und deshalb ist es so wichtig, dass Verfahren wie Forward Secrecy, die zusätzlich zu einem „regulären“ Schlüssel auch noch einmal verwendete Wegwerfschlüssel verwenden, weiterentwickelt und auch für die Verschlüsselung von Nachrichten und anderen Dateien verwendbar gemacht werden. FS wird jetzt schon von immer mehr Mailanbietern, meist aus dem Ausland, angeboten und von allen Browsern außer dem Internet Explorer älter als Version 9 (glaube ich) unterstützt; dadurch ist das Speichern und nachträgliche Knacken von SSL-Verbindungen nach derzeitigem Stand der Dinge unmöglich geworden – was die NSA auch indirekt zugibt.

      Was die Backdoors angeht: Hier gilt immer wieder: Je opener die source, desto auffindbarer die Backdoors. Was zuletzt durch die Medien ging, war eine Backdoor in einem ohnehin obsoleten, aber leider immer noch, z.B. im Mobilfunk, eingesetzten Standard.

  2. „Brieftauben, tote Briefkästen und nächtliche Treffen im Wald bei Gewitter sind im Jahre eins nach Snowden viel zeitgemäßer.“
    Es bleibt zu erwähnen das die durch Paranoia getriebenen Verfassungsschützer von Bund und Land das zu diesem Zeitpunkt daheimgelassene Mobiltelefon bereits vor Snowden als konspiratives Verhalten auslegten auch wenn man nurmal ungestört Spazieren gehen wollte.

    Der Ansatz, es den Schlapphüten schwerer und teurer zu machen war mein bisheriger Ansatz.
    Ich habe fest mit der Inkompetenz und Unvermögen der Öffentlichen Hand spekuliert und bin, wie ich nun weiss, auf die Nase gefallen. Was ich stattdessen bzw. zusätzlich anders machen kann habe ich aber auch noch nicht raus … 🙁

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