Zurücktreten, bitte!

S-Bahn Berlin
S-Bahn Berlin

Disclaimer: Autor dieses führt seit Jahrzehnten das Dasein eines Pufferküssers in the closet, also eines, der heimlich in Bahnhofsbuchhandlungen Bildbände über Lokomotivbaureihen, Streckenpläne und „Die schönsten Eisenbahnkatastrophen der Nachkriegszeit“ (oder so ähnlich) kauft, Photos von Bahnfahrzeugen macht, sie aber möglichst künstlerisch gestaltet, damit nix rauskommt, etc. Aber irgendwann ist es Zeit, sich zu outen.

J’accuse! Es ist 1 Schande (in Worten: eine), was da mit der Berliner S-Bahn getrieben wurde, dass es soweit kam, wie es heute gekommen ist: Das Eisenbahn-Bundesamt, der TÜV für alles mit Puffern vornedran, hat zwei Drittel aller Berliner S-Bahn-Züge aus dem Verkehr gezogen, so dass ab Montag für vorerst drei Wochen so gut wie keine S-Bahn mehr durch die Berliner Innenstadt fährt.

Dass wir uns richtig verstehen: Davon geht die Welt nicht unter (Z. Leander u.a.); außer einigen orientierungslosen Fahrgästen, die offenbar unter großen Felsen leben (und keine Informationstafeln lesen können) wird niemand hilflos auf S-Bahnsteigen herumstehen; der ÖPNV in dieser Stadt ist gut genug ausgebaut, dass auch nächste Woche noch jeder dorthin kommt, wo er hinwill (aus welchem Grund auch immer).

Der eigentliche Skandal ist ein anderer. Wer eine der zahllosen Seiten besucht, die sich mit der Geschichte der S-Bahn in Berlin befassen (auch die Wikipedia hat eine solche Seite), wird feststellen, dass in der Vergangenheit nur Katastrophen oder Ereignisse von großer politischer Bedeutung (Tunnelsprengung, Kriegszerstörung, Kalter Krieg, Mauerbau) die Berliner S-Bahn davon abhalten konnten, ihren Dienst zu verrichten.

Und jetzt der Sparzwang und die fixe Idee, einen Staatsbetrieb börsentauglich zu machen? Irgendwie arg kleinkariert, nicht?

Zur Überschrift: Klar, die für die aktuellen Ereignisse bzw Nicht-Ereignisse (wir erinnern uns: da waren dringen nötige Wartungsarbeiten unterblieben) verantwortliche Geschäftsführung der Berliner S-Bahn ist bereits einige Wochen nicht mehr im Amt, und auch der Ober-Börsengänger ist jetzt dabei, ein anderes Unternehmen der Reiseindustrie zu ruinieren verwalten. Aber die fünf werden noch nicht die einzigen gewesen sein, die die S-Bahn so entgleisen ließen.