Zurück auf Los

Dies ist kein Blog.

Am 30. Oktober 2000 startete ich von meinem Arbeitszimmer in einem Vorort der US-Hauptstadt Washington DC etwas, das sich rasch als Weblog, kurz Blog entpuppte. Schon damals bloggte ich überwiegend oder ausschließlich auf deutsch, weil sich meine Texte an Redaktionen, also potentielle oder schon existierende Kunden in Deutschland richteten. Zwar stellte sich rasch heraus, dass Redakteure damals noch keine Blogs lasen; dafür fand worldwideklein.com (drunter tat ich’s nicht) ein Publikum in der damals noch kleinen deutschen Bloggergemeinde.

Das ist lange her, elfeinhalb Jahre fast. Die Zeiten, sie a-verändern sich…

Inzwischen haben sich auch die Bräuche in Klein-Bloggersdorf – wie es damals genannt wurde – verändert. Manche betreiben ein Tumblelog, andere ziehen sich auf Plattformen wie Google+ zurück, und es braucht schon ein paar gestandene (lies: ältere) Herren, um auf die Vorzüge eines eigenen Weblogs hinzuweisen.

Dies ist kein Blog.

Die Kleinkriege der frühen Jahre

Hach. In den ersten Monaten und Jahren hatte die Sache etwas Familiäres. Man überraschte sich gegenseitig regelmäßig mit neuen, selbstgebastelten Layouts, musste sich dafür aber auch Kritik für nicht standardgemäßes HTML-Gewurschtel anhören. Man stritt sich mit Begeisterung über Post- und Linkdichte, über die Wichtigkeit von Kommentarfunktionen, über die Verwerflichkeit von kommerziellen Einsprengseln, über den Unterschied zwischen Internet-Tagebuch und Weblog. Und keiner wollte ein Internet-Tagebuch haben, alle behaupteten, ein Weblog zu führen. Aber natürlich wollte keiner sich als Journalist bezeichnen lassen, weil Blogger etwas anderes, besseres waren. Was mich als Journalisten dumm dastehen ließ.

Anders ausgedrückt: In den ersten Monaten und Jahren hatte die Sache etwas unsagbar Piefiges. Aber schön war es doch (Einsatz schmalziges Gefiedel).

Dies ist kein Blog.

Denn so richtig und wichtig die Behauptung der erwähnten älteren Herren über die Relevanz einer eigenen Plattform im Netz ist: Die Form des Weblogs, wie ich sie mit Unterbrechungen seit elfeinhalb Jahren betrieb, hat sich überholt. Der Zettelkasten aus linkreichen Kurztexten zu allem, was mich so interessiert, ist eine journalistische (doch!) Form, die sich überlebt hat. Kurznachrichten, Kurzgags und der andere Kurzkram findet überwiegend auf Kurzplattformen statt; tatsächlich lese ich von den übriggebliebenen Bauchladenblogs der frühen Jahre nur noch eines regelmäßig (Hinweis: Es wird in Neukölln veröffentlicht – seit zwölf Jahren kontinuierlich). Die Blogs, die mich heute interessieren, sind überwiegend professionell geschriebene Netzveröffentlichungen von guter Qualität.

Leider ist sowas mit Aufwand verbunden – Aufwand, den ich als vollzeitbeschäftigter Redakteur und Beziehungsteilnehmer mir selbst nicht gewährleisten kann. Deshalb ist dies kein Blog.

Stattdessen sehe ich es als meine Repräsentanz (hui!) im Netz an, mit Elementen, die möglicherweise Eigenschaften eines Journals annehmen können. Also eines Tagebuches. So.

What happened to the cool URIs?

Besagte coolen Adressen auf Inhalte, die einmal im Netz gestanden haben und unveränderlich erreichbar bleiben sollen – so hat es Sir Timothy Berners-Lee postuliert – gibt es hier nicht mehr. Wenn schon Schnitt und Neuanfang, dann richtig. Meine Serverstatistiken der letzten Monate haben gezeigt, dass die früheren Dauerbrenner nicht mehr zünden, sprich: aufgerufen werden. Also fort damit.

Neuanfang

Stattdessen versuche ich hier und jetzt, im Sinne eines offenen Netzes ganz von vorne anzufangen. Dies bedeutet, dass Kommentare nicht nur unter Blog-, pardon: Journaleinträgen möglich sind, sondern (mit der eventuellen Ausnahme des Kontaktformulars, aus Gründen) überall. Dies bedeutet auch, dass sämtliche Inhalte unter einer CC-Lizenz stehen und bei Einhaltung der Lizenzbedingungen jederzeit weiterverwendet werden dürfen. Und vielleicht fallen mir noch ein paar andere Dinge ein, um diese meine Ecke im Netz etwas offener zu gestalten.

Welcome. Und Tach auch.

14 Gedanken zu „Zurück auf Los“

  1. Du wirst es nicht gerne hören, aber sogar deine Neuanfänge haben eine gewisse Kontinuität in Großbloggersdorf. Ich musste zumindest gerade heftig schmunzeln.

    • Stimmt wohl. Aber sie werden auch immer radikaler. Diesmal habe ich nur die Inhalte aus all den Jahren weggeschmissen. Beim nächsten Mal gibt es auch kein Layout und kein Design mehr.

  2. Gestehe! Du hast die Datenbank geschrottet und weg waren die alten Sachen. 😉

    In der Tat lässt der wiederholte „Paradigmenwechsel“ und Neuanfang grinsen, am Ende ist es doch wieder ein Blog wo Sachen reingeschrieben werden.

    • Wenn ich die Datenbank geschrottet hätte, wüsste ich mir immer noch jemanden in Karlsruhe, der mir schon mal in Sachen Datenbank aus der Patsche geholfen hat…

      Aber Du hast insoweit Recht: Wenn Weblog “Sachen ins Internet reinschreiben“ bedeutet, dann ist das hier auch in Zukunft eines.

  3. Gratuliere, Konstantin! Finde ich mutig und gut. Ich selber neige ja auch alle paar Jahre zum tabula rasa. Übrigens, Macht den Kopf frei. Ich bastele gerade auch an einem neuen Blog rum Kommt wahrscheinlich Mitte Mai raus.

Kommentare sind geschlossen.

Mentions