Zen im Bus

Lieber unbekannter Busfahrer,

der mich während des Bahnstreiks letzte Woche mit dem M48 um 7:49 von zuhause zum Alexanderplatz gefahren hat, einen komplett überfüllten Bus durch die dito Potsdamer navigierte, beide Male anderthalb mal so lang brauchte, wie der Fahrplan es vorschrieb, und dabei eine bemerkenswerte Seelenruhe bewahrte…

„Morjn, liebe Fahrjäste, icke mal wieda. Also, wenn ick von hier vorne im rechten Spiegel den Haarschopf seh, der aus da mitt’lern Tür raacht, dann sieht den die Lichtschranke ooch, un die Tür jeht nich ssu.“

Mit einer Knarzstimme und ohne die geringste Aggression vorgebracht – und die Sardinen Menschen im Bus lachten. Eine Haltestelle weiter:

„Mojn, liebe Fahrjäste. Also, det mittie Türn, det gilt nämlich an jeda Haltestelle.“

Erster Szenenapplaus.

„Mojn, hier is Ihr lieba Busfahra. Ick erklär Ihnen det mal: Üba den Türn, da sind Lichtschranken eingebaut. Und wenn sich Ihr Rucksack nu nich entscheid’n kann, oba nun mitwill oda nich, und deswejen die letzte Tür blockiert, dann sieht det die Lichtschranke, und dann jehn die Bretta nich ssu.“

Zweiter Szenenapplaus. Fast schon schade, dass sich ab Postdamer Platz der Bus langsam leerte und es keine Anlässe für Lichtschrankenbetrachtungen mehr gab.

Nun sind Berliner Busfahrer für ihre Schnauze berüchtigt (trotz Leistungsschutzrecht verlinkt), und ein gebelltes „Türen freimachen“ ist nahezu Standard im Berufsverkehr. Mir ist aber eine Schnauze immer noch lieber als das rumpelige Geholze, das Busfahrer in anderen Städten so abliefern (yes, Bundesstadt, I’m looking at you and your Busfahrers!). Und – Achtung, Achtung: Enthüllung des Tages – weil ich als ausgehender Student selbst einen Sommer als Busfahrer im Liniendienst unterwegs war (nicht in dreiachsigen Doppeldeckern, sondern zweiachsigen Eindeckern, nicht in Berlin, sondern in München, wo ein ruppiger Ton ebenfalls dazugehört), kann ich vor Leistungen wie denen jenes anonymen Fahrers des M48 nur sehr tief den Hut ziehen.

Was hiermit geschehen ist, wenn auch eine Woche zu spät.