Zeitenwende – eher nicht

Gerade haben die halbamtlichen öffentlich-rechtlichen Wahlberichterstatter mitgeteilt, dass Baden-Württemberg in den nächsten Jahren voraussichtlich von einer grün-roten Koalition regiert wird – oder anders, spektakulärer (wenn der Konjunktiv Komparativ an dieser Stelle so erlaubt ist) ausgedrückt: Nach mehr als einem halben Jahrhundert wird der Nachkriegs-Südweststaat erstmals nicht mehr von einer CDU-geführten Regierung gelenkt.

Zeitenwende? Revolution auf schwäbisch bzw. badisch?

Sorry, nein. Die Sache ist eher diese: Die Wähler in Baden-Württemberg sind, ohne ihnen zu nahe treten zu wollen, so konservativ, wie sie es immer waren. Diese (Wert-)Konservativismus, der – was man bei der CDU, wenn überhaupt, viel zu spät gemerkt hat – auch die Bewahrung der Umwelt mit einschließt, wird von den Grünen inzwischen viel besser bedient – und von der BaWü-SPD im Zweifelsfall auch (vorausgesetzt, sie lässt ihr Profil auch mal erkennen). Mappus ist einfach der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort.

Nicht nur äußerlich ist Mappus vom Typ Franz-Josef Strauss. Er wäre auch sonst gerne wie der Ober-Bayer – angriffig, krawallig, bulldozerhaft, erfolgreich. Was Mappus und die, die ihn nicht verhindert haben, dabei übersehen: Er, Mappus, ist ebenso ein Auslaufmodell wie die Siedewasserreaktoren in seinem Land – und wie Strauss selbst, der sich auf der Straße zur Kanzlerschaft letztlich selbst im Weg stand. Sogar die Bayern wählen sich inzwischen andere Typen von Landesvätern (oder auch nicht) – Verwaltungsmenschen, Macht-Intellektuelle mit begrenztem Charisma. Die Zeit der politischen Bulldozer ist vorbei – und auch wenn die Technokratin Merkel derzeit nicht die Optimalfigur abgibt, ist sie doch zeitgemäßer als alle anderen, ihre technokratischen Untergebenen Schäuble und de Maizière eingeschlossen. Krawallos wie Koch oder eben Mappus werden nicht mehr widerstandslos gewählt, Strahlefiguren wie von der Leyen oder zu Guttenberg werden niedergebügeöt, sobald sie sich erkennbare Fehler leisten. Es bleiben die Technokraten.

Was angesichts der Anforderungen an unser Führungspersonal vielleicht nicht das schlechteste ist – nur lustiger wird Demokratie dadurch auch nicht.

Ach ja, Westerwelle… Na-na-nah-nah, na-na-nah-nah, hey-ey-ey, good-bye! Wenn nicht jetzt, dann doch bald.