Zeit- und Paradigmenwechsel

Du erkennst, dass Du ein Amateurblogger bist, wenn

  • du noch nie daran gedacht hast, dein Weblog zu verkaufen
  • du deine Blogeinträge noch selbst schreibst
  • du auch wirklich schreibst, wenn du schreibst.

Gut. Punkt 3 durchschlägt die Grenze zum Unverständlichen mit Mach 2,5 und bleibt ungefähr 15 cm tief in einem Parallel-Universum stecken. Dieser Eintrag zum Beispiel erscheint um 11 Uhr 09, während ich in einer Arbeitsgruppe zum Thema Nonlinear Editing sitze (was mit einem nonlinearen Blogpost wie diesem ja wieder hübsch zusammenpasst) und nicht im geringsten auch nur ans Bloggen denke – eben weil ich gerade anderes zu tun habe.

Was ist passiert?

Gar nichts, außer dass dieser Eintrag in Wirklichkeit, und anders, als es der Zeitstempel vermuten lässt, um viertel nach acht entstanden ist, zwischen Frühstück und Fahrt zur Arbeit, und unter dem Eindruck, den eine Morgenmail hinterlassen hat. Darin kündigen die Macher von Tweetlater, einem Dienst zum zeitversetzten Twittern, Postlater an, einen Dienst zum zeitversetzten Bloggen quer über alle Formen und Plattformen hinweg.

Postlater macht zumindest in einer Hinsicht einen seriösen Eindruck: Es kostet Geld, gleich von Anfang an, und gleich richtig (20 US-Kracher pro Monat), und scheint damit ein klareres business model zu haben als die meisten anderern Dienste da draußen. Und es bietet die Möglichkeit, zu Geschäftszeiten zu bloggen (was den Amateurstatus, z.B. in den Augen von Google, ein wenig aufweicht), ohne wirklich zu Geschäftszeiten zu bloggen (was das Arbeitsverhältnis aufweichen könnte).

Und was tut das Schicksal? Ich brauche Postlater nicht. Denn obwohl ich gerade in Wirklichkeit arbeite, statt zu bloggen (doch, Chef, ehrlich!), kann ich dennoch bloggen und arbeiten. WordPress und alle anderen mir bekannten Blogplattformen bieten zeitversetztes Posten schon seit U(h)rzeiten an.

Immer noch nicht weiß ich, wozu ich das brauche. Weder um 8:20 (jetzt) noch um 11:09 (jetzt).

(Photo: simpologistCC-Lizenz)