ZEIT-los

Ach du gute Güte.

„Kann man ohne Google leben?“ fragt das bekannte Hamburger Wochenblatt mit dem Bremer Stadtwappen im Titel und bezieht sich dabei auf die 100 Minuten (sprich: nicht mal zwei Stunden), die GMail gestern seinen Usern vom bösen bösen Schicksal vorenthalten wurde. Dazu ist mehrerlei zu sagen:

  1. Get a life.
  2. Ich bezeichne mich durchaus als Mail-Junkie, und ich habe den Google-Blackout nicht einmal bemerkt. Mag damit zu tun haben, dass ich erstaunlicherweise auch noch anderes zu tun habe, als Mail zu lesen und zu schreiben; mag auch damit zu tun haben, dass mein Mail u.a. via IMAP und einem Mail-Client abgefragt wird, und dass dieser Zugang von dem Ausfall nicht betroffen war.
  3. 140 Minuten. Sack Reis. China.
    Ernsthaft: Ein System, das 99,9% der Zeit zuverlässig zur Verfügung steht (etwas, das nicht jeder von uns über sich selbst behaupten kann), darf sich übers Jahr gerechnet acht Stunden (8 h.!) Auszeit gönnen, bevor die Verfügbarkeit unter die magische Grenze fällt.
  4. You get what you pay for. Mit seinen Mitgliedsbeiträgen erkauft sich der GMail-Nutzer 100-prozentige Verfügbarkeit. Oh, Moment – GMail ist ja gratis. Nanu aber auch.
  5. Natürlich, liebe ZEIT (ach du liebe Zeit!), kann man ohne Google leben. Genauso, wie man ohne VW leben kann, ohne RTL, ohne Coca-Cola, ohne Handy, ohne Aspirin, und – und jetzt mußt Du ganz tapfer sein: ohne die ZEIT.

Gibt es ein Leben ohne Internet? Das, liebe ZEIT, wäre eine Frage, die sich angesichts von Reisebuchungen im Netz, von Online-Banking, von Versandhandel von eBay bis (hihi) Tchibo, von E-Mail ganz allgemein und von all den neuen medialen Erscheinungsformen, vor denen old media zu Recht Angst haben (wobei Respekt genügen würde), durchaus stellen ließe, ohne sich lächerlich zu machen.

Und auch diese Frage beantworte ich mir im Urlaub regelmäßig mit „Ja“, ohne das große Zittern zu bekommen.