Yahoo! und die Yahoos

Ein „Yahoo“ ist laut Langenscheidts Handwörterbuch ein „brutaler Kerl“, ein „Saukerl“ (das ist nicht erfunden; ich beziehe mich auf die Ausgabe von 1996!). Yahoo! fällt nicht unter diese Definition – ganz im Gegenteil: die Yahoos von Yahoo! gehen ausgefuchste juristische Wege. Weil sie müssen.

Wir erinnern uns: Yahoo! France ist in Schwierigkeiten; ein französisches Gericht hat es erst dazu verurteilt, innerhalb des eigenen Angebotes alle Links zu neonazistischen Seiten zu blockieren, und jetzt sollen auch alle Angebote von Nazi-Paraphernalien von den Auktionsseiten von Yahoo! USA verschwinden, oder…

Weshalb besagte Yahoos sich jetzt von einem US-Gericht bescheinigen lassen wollen, dass Gerichte auswärtiger Rechtsprechung keinen rechtlichen Zugriff auf die Geschäftspraktiken im Inland (= USA) haben. Das ist von besonderem Interesse, weil ja auch der Bundesgerichtshof die Verbreitung nazistischer Inhalte von Servern im Ausland (= die ganze Welt ausser Deutschland) als strafbar bezeichnet hat.

Das ganze ist jetzt schon Thema in der Washington Post, die sich sonst wenig mit deutschen Themen abgibt – schliesslich ist Deutschland ein befreundetes Land ohne grosse Probleme (jedenfalls aus der Sicht der Post).

Ich habe mich heute mit ein paar Nachbarn über die bundesdeutsche und auch die französische Rechtsprechung gegen Nazis im Internet unterhalten. Sie haben verstanden, warum ein deutsches Gericht einen derartigen Spruch geradezu fällen muss; sie sind aber auch der Meinung, dass Urteile wie die aus Frankreich und Deutschland wenig Sinn haben. Nicht nur, weil die USA ohnehin machen können, was sie wollen, und sich um Gerichtsurteile aus dem Ausland generell wenig scheren, wenn sie (die Urteile) ihnen (den USA) nicht in den Kram passen; nein, besonders wichtig ist Amerikanern nach wie vor die Redefreiheit, festgelegt im Ersten Anhang zur US-Verfassung.

Und ich kann es verstehen. Denn – Entschuldigung, aber es ist so: Was ist eine Demokratie wert, die glaubt, Gedanken – und seien sie noch so krank – verbieten zu müssen – und zu können? Wir sehen es ja am Beispiel von „Mein Kampf“: das Buch ist seit dem zweiten Weltkrieg in Deutschland verboten und – dank dem lobenswerten Einsatz des Freistaates Bayern als „Erben“ des Urheberrechts – auch sonst nirgendwo legal herzustellen. Und trotzdem hat jeder Alt- und Neonazi das Ding im Regal stehen. Und ausrotten liess sich die Nazerei durch die Verbote offensichtlich auch nicht.

Gedanken oder Gegenargumente dazu? Ab ins Gästebuch damit!