Y2K + 1

Neujahr. Der Tag der guten Vorsätze, die in den nächsten 365 Tagen – hua, hua, hua – dann doch nicht umgesetzt werden. Weshalb an dieser Stelle ein kurzer Blick in den Rückspiegel den Ausblick in die Zukunft ersetzen soll.

Erinnern wir uns? Mit welchen unguten Gefühlen haben wir vor einem Jahr unsere PCs eingeschaltet, den Kontostand am Bankautomaten abgefragt, auf jedes Flackern der Beleuchtung geachtet? Mit welcher Beharrlichkeit haben wir – neben der endlosen Diskussion, wann denn nun das neue Jahrtausend wirklich anfängt – auf die Gefahr hingewiesen, die uns vom „Millennium Bug“ drohte? Und wie viele Flugzeuge hatte ich im Bauch, als ich vor einem Jahr am 1. Januar von Berlin über Amsterdam nach Washington flog? Über Amsterdam, das von den Y2K-Warnern in den USA als einer der meistgefährdeten Krisenpunkte im internationalen Luftverkehr bezeichnet worden war – bestätigt durch die Geschäftsführung von KLM, die den Flugbetrieb über Mitternacht auf ein absolutes Minimum eingeschränkt hatte…

OK, es war also so: Keine Flugzeuge im Bauch, und mir war schon während des Fluges klar geworden, dass mein PC, an dem ich dies jetzt schreibe, problemlos anspringen würde. Schliesslich hatte ich ja mit Updates und Patches das Ding so Y2K-sicher gemacht wie nur möglich – und dabei richtig viele Arbeitsstunden verschwendet.

Irgendwie haben wir uns ja doch ganz schön kirre machen lassen, damals, vor einem Jahr, nicht? Aber vielleicht lernt die Menschheit bis zum nächsten Millenniumswechsel (so es bis dahin noch eine Menschheit gibt) dazu, dass ein derartiges Datum nicht automatisch den Weltuntergang bedeutet.