Woot! Mehr. Oder weniger

Es ist für Jüngere manchmal schwer zu fassen, und doch ist es möglich, von einem Gespräch mit einem Älteren zu profitieren.

Im vorliegenden Falle bin ich der Jüngere, der Ältere ist mein Cousin Walter, der in New York lebt, morgen seinen 71. Geburtstag feiert, und dem ich gestern, wie angekündigt, in einem dreiviertelstündigen Skypat zu erklären versuchte, was es mit den woot burgers, den Wutbürgern auf sich hat.

Was mein alterskluger Cousin, die Proteste gegen Stuttgart 21 mit denen gegen den Vietnamkrieg, an denen er in den Sechzigern selbst teilgenommen hatte, und bei denen nicht nur er sich eine blutige Nase geholt hatte, vergleichend, sofort feststellte:

Die Wut ist das eine, die Zahl derer, die buchstäblich oder im übertragenen Sinne auf die Straße gehen, auch. Wesentlich ist, dass sich das Momentum fortsetzt. Im Falle der Vietnam-Proteste war das nicht geschehen, Richard Nixon wurde sogar wiedergewählt und konnte den Krieg ungestört weiterführen.

Doch selbst wenn die Wut sich in Wahlergebnissen niederschlägt (und diese Stelle in unserem Gespräch dürfte das erste Mal in der Geschichte darstellen, dass der Präsident der USA in einem Atemzug mit dem neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg genannt wurde), bleibt noch sehr spannend, ob der jeweilige Hoffnungsträger auch liefern kann, wie es ein schon wieder lädierter Hoffnungsträger einer ganz anderen Partei noch vor kurzem formuliert hatte.

Oder anders formuliert: Da steht Charisma gegen Sachzwang. Jedenfalls im Falle Obama, im Falle Kretschmann muss ich mir wahrscheinlich etwas anderes einfallen lassen.