Wie Waldi

vivaldi.net
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Jon S. von Tetzchner hat, vermute ich, was für klassische Musik übrig. Zuerst war er Mitbegründer und langjähriger Chef eines Software-Unternehmens mit dem Namen Opera; vor zweieinhalb Jahren verließ er den Laden (mehr oder weniger) im Streit mit der Geschäftsleitung und meldet sich jetzt mit einem Projekt namens Vivaldi zurück. Und genausowenig, wie der Opera-Browser mit laut gesungenen musikalischen Werken zu tun hat, so wenig scheint vivaldi.net mit Barockmusik zu tun zu haben. Stattdessen sieht das Vivaldi-Netz ein wenig aus, als hätte jemand das Angebot der Opera Community, bestehend aus Blogs, Mail, Forum und einer, nun ja, facebook-ähnlichen Gemeinschaftsseite mit fertigen Open-Source-Bestandteilen wie Joomla, RoundCube & Co. nachgebaut. Und so ist es wohl auch. Denn Tetzchner wirbt offen um die Mitglieder der Opera-Gemeinschaft, denen ihre Gemeinschaft demnächst von der Opera-Geschäftsführung unterm Hintern weggezogen wird; Opera will sich künftig nur auf die Weiterentwicklung der eigenen Softwareangebote konzentrieren.

Aha. Die Fangemeinde eines Nischenbrowsers (auf dem Desktop – auf mobilen Geräten und in Smart-TVs ist Opera viel stärker vertreten), zu der zugegebenermaßen auch ich lange gehört habe, zieht also um. Scheint sich um ein Nischen-Phänomen zu handeln.

Wenn nicht… Wenn nicht von Tetzchner gleich auf der Startseite von vivaldi.net ein paar essentials eines unabhängigen, datenschutzbewussten und userfreundlichen Internets versammelt hätte: (siehe Screenshot, v.r.n.l.:) Island, niedliche Katzen und Jon von Tetzchner.

Immerhin – das nur nebenbei und im Zusammenhang mit anderen Beiträgen auf dieser Seite – bietet vivaldi.net nach kurzem Gebastel schon einen Maildienst, der viel verspricht: saubere Umsetzung aktueller Sicherheitsstandards, keine Werbung und Server auf Island, das sich in der Vergangenheit datenschutzbewußter gezeigt hat als andere Länder. Das lässt hoffen.

Noch viel mehr lässt allerdings hoffen, was sich hinter der Schwesterdomain vivaldi.com versteckt: bis jetzt vor allem die Möglichkeit, sich in eine Mailinglist eintragen zu lassen, und das Versprechen:

We are working on something very interesting!

Das kann jeder sagen. Aber wenn Jon von Tetzchner dahinter steht, könnte es wirklich interessant werden.

Update, einen Tag später: Jetzt spricht Jon von Tetzchner selbst:

Wir haben bei Opera immer versucht, die Guten zu sein, und so ist es auch bei Vivaldi.

Hurra.