Wider das Haaresträuben

Gesträubte Haare sind die Standardreaktion bei Alten Zauselnâ„¢ ebenso wie bei jungen Hüpfern unter den Weblogschreibern, sobald mal wieder einer den Tod von Weblogs allgemein oder den Abriss von Klein Bloggersdorf (so heißt die Blogosphäre in Deutschland) im besonderen postuliert.

So gesehen: Frohes Sträuben angesichts von Nicholas Carrs Frage „Who Killed the Blogosphere?

…it seems to me that one would be hard pressed to make the case that there’s still a „blogosphere.“ That vast, free-wheeling, and surprisingly intimate forum where individual writers shared their observations, thoughts, and arguments outside the bounds of the traditional media is gone.

OK, Fell wieder glattstreichen – der Mann verkündet nicht das Ende des Bloggens als Kunst(?)form, sondern das Ende einer Blogosphäre, die es in dieser Form und mit dieser Bedeutung bei uns, in Old Europe, ohnehin nicht wirklich gegeben hat.

Zwar mögen die populärsten und erfolgreichsten Blogs in den US of A inzwischen kommerzielle Veranstaltungen sein; und genauso mag sich der so hoch gelobte Diskurs inzwischen ohnehin auf andere Plattformen verlagert oder zumindest in deren Richtung ausgedünnt haben. Aber – und das ist das wichtige – die Idee der Graswurzelpublizistik (nein, ich sage mit Absicht nicht „Journalismus“ in diesem Zusammenhang!) ist zum Glück völlig unabhängig davon, ob andere das Prinzip Blog technisch oder von mir aus (obwohl das heftig anzuzweifeln ist) auch inhaltlich kopieren und mit dem von ihnen produzierten Lärm die Pioniere des Bloggens ein wenig an den Rand schubsen. Solange noch der verschrobenste Blogger die Möglichkeit hat, sich zu äußern, ist Klein-Bloggersdorf trotz der glitzernden Wolkenkratzer an seinem Rand noch nicht ausgestorben.

Allowing readers to post comments on stories has now, thanks to blogging, become commonplace throughout online publishing. But the once popular idea that blogs would prove to be an alternative to, or even a devastating attack on, corporate media has proven naive.

Entschuldigung, aber die angeblich populäre Idee von Blogs als dem Neuen Journalismusâ„¢ war mir immer suspekt. So gesehen, fühle ich mich von Carr nur in dem bestätigt, was ich seit Jahren sage. Wahrscheinlich der Grund, weshalb ich ihn überhaupt hier aufgreife…

Weblogs sind nicht tot (hat Carr auch nicht behauptet). Nur wer bishjer tatsächlich glaubte, Old Media mit ein bisschen Bloggen verdrängen zu können, muss sich jetzt ein neues Geschäftsmodell für sein kleines Weblog suchen.

Meanwhile, back home drängen sich die Old Media selbst an den Rand. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.