Wg. Snowden

Das Erste (wir Älteren kennen es noch als ARD) hat 30 Minuten Interview mit Edward Snowden. NDR-Mitarbeiter Hubert Seipel hat sechs Stunden mit Snowden gesprochen; das geschnittene Interview lief am späten Sonntagabend nach Jauch und Tagesthemen, aber noch vor TTT, und die Timeline regt sich auf:

Tscha. Über die Programmgestaltung kann man streiten, auch darüber, dass das Interview (vorerst) nur mit deutscher Übersetzung zur Verfügung steht; üblich ist in solchen Fällen, die Originalversion gleichzeitig oder zumindest – tschuldigung! – zeitnah zur Verfügung zu stellen. Über die Sende- und Verwertungsrechte herrschte zeitweise Unklarheit, doch letztlich steht das Interview in 30-Minuten-Länge jetzt doch beim NDR online (lustigerweise unter der Rubrik „Ratgeber“) – aber nur für Menschen, die es über eine IP-Adresse in Deutschland abrufen.

Was nur zeigt, wie weltfremd solche Verträge manchmal sind, denn natürlich ist es auch für Vladimir Putin und Barack Obama möglich, über einen deutschen Proxy zu erfahren, was Edward Snowden über sie sagt, und was nicht. Vorausgesetzt, sie verstehen deutsch.

Und ich durfte mir zu nächtlicher Stunde im Büro das Interview angucken und anschließend darüber reden. Womit ich hoffentlich zur Wahrheitsfindung beigetragen habe.

Update, knappe zwölf Stunden später: Jetzt hat der NDR auch die Rechte für die englische Version und stellt sie online. Verstehen muss ich das nicht, oder?

2 Gedanken zu „Wg. Snowden“

  1. Das mit den Rechten ist typisch für die Struktur beim Ersten. Produziert hat das eine Tochter der NDR-Tochter Studio Hamburg. Das mit Töchtern und Enkelinnen verstehe ich noch, weil die Anstalten über die Vorsteuerabzugsberechtigung der GmbHs ihren Nachteil gegenüber den Privaten zumindest teilweise kompensieren können. Warum eine Enkelin der Oma aber nicht a priori alle Verbreitungsrechte einräumen kann, verstehe ich nicht. Urheberrechte daran hat für den deutschsprachigen Raum Hubert Seipel (den ich für einen festen NDR-Redakteur hielt – ist er Freier?), nicht der Produzent. Vielleicht gibt es einen Vertrag mit Snowden, der hätte als Interviewter Urheberrechte als „Mit-Autor“.
    Aber das klärt man bitte vorher. Ich meine: Früher, als noch kaum einer das wollte, haben die Öffis ja ungefragt Zweikanalton gesendet, und bessere analoge Fernseher hatten diese Funktion serienmäßig dran. Heute fehlt diese Ausstattung, dabei können mittlerweile so viele Menschen so gut Englisch, dass jeder Senderverantwortliche wissen sollte und könnte, dass es ein großes öffentliches Interesse am O-Ton gibt. Mit Recht: An ein paar Stellen holperte die Übersetzung ja schon.

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