Wg. Schaar

Ich will hier keine Namen nennen, aber geschehen ist dies: Peter Schaar, Bundesdatenschutzbeauftragter, ergreift das Wort auf der re:publica 09, und nach wenigen Minuten twittert jemand: „Boring“, also langweilig.
 
#FAIL.
 
Nun sieht Schaar nicht wirklich aus- oder auch nur angeflippt aus, und als Funktionsträger der Republik steht er qua Amt im Generalverdacht des Langweiligen. Aber erstens ist Schaar keiner, der langweilig redet, und zweitens ist sein Thema – und die dazugehörige Herangehensweise – alles andere als.
 
Dabei ist er Realist, bildet sich nichts ein über die tatsächliche Handlungskompetenz eines Datenschutzbeauftragten. Aber: mahnen kann so einer, und Schaar kann es gut – schade nur, dass er hier auf der rp09 auf ein Publikum trifft, das seine Sicht der Dinge ohnehin unterstützt. So gesehen: vertane Zeit. Aber in einer guten Art und Weise vertan.
 
OK, was ist – in groben Zügen – los in der Welt according to Schaar? Alle sammeln Daten, und keiner regt sich mehr darüber auf. Alle geben ihre Daten freiwillig, und das muss auch so sein, denn umsonst ist der Tod, und auch der Betrieb von Second Life (um nur ein Beispiel zu nennen) kostet Geld. Es kann nicht sein, Dienste zu sperren, auch nicht im Sinne des Datenschutzes, und es ist schwer, die europäische (und auch die grundsätzliche amerikanische) Ansicht von Datenschutz weltweit auch nur populär zu machen, geschweige denn durchzusetzen. Und das Internet der Dinge (Kaffeemaschine kommuniziert mit Kühlschrank und erstellt ein Koffeinprofil des Benutzers) ist ohnehin nicht zu verhindern, und wir müssen uns darauf einstellen.
 
Wichtig ist für Schaar: Es darf keine geheime Datenhaltung geben; was mit unseren Daten geschieht, muss für uns transparent sein. Wir müssen Alternativen haben, dürfen also nicht gezwungen werden, Daten preiszugeben, wenn wir nicht wollen. Der Datenschutz muss in die Technik integriert werden (aber wer kontrolliert das? Anm. d. Setzers). Und: Wir brauchen eine Ethik der Informationsgesellschaft.
 
Aber das wussten wir ja schon. Insofern: wirklich vertane Zeit, wenn nicht doch noch einer von der Dark Side mitliest.
 
Schöner Moment übrigens, als Schaar auf die Frage nach dem Datenschutz für „Terroristen, Kinderpornogucker und so“ sagte: „In unserer Gesellschaft gibt es niemand, der rechtlos ist. Auch Verbrecher haben ein Recht auf Rechtsschutz.“
 
Dankeschön.

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