Wg. Politik im Netz

Autor dieses ist der Meinung, dass die Zeit der Internetausdrucker in der Politik zu Ende geht. Autor dieses ist darüber hinaus der Meinung, dass die Internetausdrucker in Parlament und Regierung das durchaus wissen und gerade deshalb das Netz noch einmal nach den ihnen bekannten Maßstäben („kein rechtsfreier Raum“), mit den ihnen bekannten Werkzeugen („Regulieren! Sperren! Verbieten!“) formen wollen, bevor es zu spät ist.

Autor dieses meint deshalb auch, dass eine „Interessenvereinigung Netz“ gebraucht wird, sich den Internetausdruckern entgegenzustellen. Und deshalb ist Autor dieses seit April des Jahres Mitglied der Partei mit dem bekloppten Namen™.

So weit, so Gehöft (Schobert & Black).

Seitdem nähere ich mich meiner Mailbox nur noch mit der ganz großen Schaufel. Seitdem lese ich mich durch zum Teil endlose und endlos quälende Diskussionen, die mir zeigen, dass Piraten wirklich nur ein gemeinsames Thema haben – das Leben in der Informationsgesellschaft -, in fast allen anderen Punkten (und manchmal sogar in den Kernthemen der Piraten, wie der Frage der Reform des Urheberrechts) jedoch teilweise diametral entgegengesetzte, oft von Unwissen gekennzeichnete und manchmal auch nur irrsinnige Ansichten haben.

Das ist schön. Doch, wirklich – es ist schön, zu sehen, dass durchaus nicht alle Netzbürger ihr Denken von Dingen wie Sachzwängen oder auch der einfachsten Vernunft lenken lassen. Es ist aber auch verdammt anstrengend.

Ich will in meinem Alter nicht mehr Berufspolitker werden – dazu ist mir meine Gesundheit zu kostbar. Ich will mich außerdem ungern mitten im deutschen Vereinswesen wiederfinden. Und mit dem einen oder anderen Piraten von gewisser medialer Prominenz möchte ich noch nicht mal in einem Verein gesehen werden.

Ich kann – und werde – trotzdem Pirat bleiben, mich an Diskussionen per Mail beteiligen oder es lassen, zu Treffen erscheinen oder es lassen, meine Mitgliedsbeiträge bezahlen oder es lassen.

Ich will – und werde – aber auch über andere, vielleicht dem Leben in einer Informationsgesellschaft angemessenere Formen der politischen Mitwirkung InDULa (in diesem unserem Lande™) nachdenken. In dieser Hinsicht bin ich nicht alleine – auch wenn der Schweizer Ansatz der Landgemeinde nicht so einfach auf 1. das Netz und 2. die Bundesrepublik Deutschland übertragbar ist.

Eins ist aber richtig: In einer parlamentarischen Demokratie, wie wir sie haben, und wie sie derzeit noch von den Internetausdruckern bestimmt wird, haben Parteien nicht nur, wie im Grundgesetz festgelegt, das Recht auf „Mitwirkung an der politischen Willensbildung des Volkes“ – sie haben dieses Recht, Gewerkschaften hin, Bürgerinitiativen her, zu einem satten Monopol ausgebaut. Und solange dieses Monopol besteht, muss sich die Generation Upload C64 eben auch in Parteien organisieren – gegebenenfalls sogar in solchen mit beklopptem Namen.