Wg. Nazis

Soll bitte keiner glauben (auch hiernach nicht), mir ginge der relative Wahlerfolg einer gewissen rechtsradikalen Partei am Gesäß vorbei. Tut es nicht. Aber ein paar Gedanken zu dem Themenkreis habe ich schon, die sich von der veröffentlichten mainstream-Meinung der letzten Wochen im einen oder anderen Punkt unterscheiden.

So halte ich es für reichlich kontraproduktiv, wenn Politiker von Ringstorff bis Merkel und zurück vor der Wahl davor warnen, der N-Partei Stimmen zu geben. Stimmen für radikale Parteien sind überwiegend Proteststimmen; und was bezwecken Protestwähler? Richtig – es den Etablierten mal so richtig zu zeigen. Ergebnis der regierungsamtlichen Warnreden: noch mehr Stimmen für die Extremen, hier die N-Partei.

Ich halte es auch für wenig zielführend (ich kenne aber lustige Wörter, gelle?), wie der ARD-Interviewer vom Dienst es am Wahlabend tat, den etablierten Parteivertretern die üblichen Langweilerfragen („Woran hat’s denn gelegen?“ etc.) zu stellen, beim N-Kandidaten aber die ganz große Keule herauszuholen: „Darf ich Sie als Neonazi bezeichnen?“ und dann mit Wahlkampfzitaten zu konfrontieren – und seien sie noch so widerlich. Nochmal: Bei der Wählerschaft der Partei wird durch solche Fragen nur noch mehr Solidarität mit dem Kandidaten und seinen Gesinnungsgenossen erzeugt; und für den großen Rest, für uns alle ist die Erkenntnis, dass N-Politiker Alt- oder Neonazis sind, nicht sonderlich neu. Höchstens der Unterhaltungswert eines solchen Gespräches wäre noch zu kalkulieren – aber ich will mich im Zusammenhang mit Nazis nicht amüsieren, auch nicht darüber, wie sie vorgeführt werden.

Und schließlich: Ja, es ist widerlich, dass Nazis in deutschen Regionalparlamenten sitzen und Steuergelder dafür bekommen. Ja, es ist lästig für das jeweilige Landtagspräsidium und die Abgeordneten der andere Parteien, sich die nächsten Jahre mit Undemokraten und ihren oft wirren Ideen und Aktionen herumschlagen zu müssen. Aber letztendlich haben sich die Rechten noch immer selbst demontiert, mal schneller, mal weniger schnell. Und das zu beobachten ist auch wieder tröstlich.