Wg. Medien

Stating the obvious: Wir haben das Jahr 2010, und bis heute ist – mit der bemerkenswerten Ausnahme des Stummfilms – noch kein Medium durch ein neueres komplett verdrängt worden. Bücher, massenproduzierte Bücher gibt es seit dem 15. Jahrhundert. Zeitung lesen wir – bzw. lasen unsere Vorfahren – schon im 17. Jahrhundert. Radio gibt es seit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, Musik auf Tonträgern (sog. „Schallplatten“, liebe Kinder) und Film ebenso, Fernsehen folgte nur kurz darauf. Und wenn ich mich nicht täusche, sind alle diese Medien auch heute noch verfügbar – allem Geschirrmache zum Trotz. Video didn’t kill the radio star. Nope.

Still stating the obvious: Bedingung  dafür war, dass sich beim Erscheinen eines neuen Mediums der Markt neu ordnete, dass die jeweils „alten Medien“ Platz machten, sich arrangierten, sich für den Kampf um die letztendlich begrenzte Aufmerksamkeit des Konsumenten fit machten und auf ihn einließen – den Kampf wie den Konsumenten. Mit der Ausnahme des Stummfilms – der ohnehin nur eine temporäre Notlösung war – ist das bis vor kurzem jedem Medium gelungen.

Going on, stating the obvious: Die eine Spezies zeigte sich schon immer fähiger zur Adaption als die andere. Die andere nennt man heute Dinosaurier, und sie ist ausgestorben.

And again, stating the obvious: Das Internet ist auch nur ein weiteres Medium. Und einige Medien zeigen stärkere Tendenzen, sich zum und uns den Dino zu machen, als andere – die sich mal mehr (iTunes und andere Medienläden), mal weniger (eBooks – ich erwarte diese Woche die Lieferung meines ersten Kindle– Affiliate-Link!) schmerzhaft an neue Gegebenheiten anpassen.

Obvious, again: Die Einführung des Internet als Massenmedium unterscheidet sich in einem einzigen Punkt von bisherigen medialen Umwälzungen; das Netz ist – endlich! – das, was sich Bertolt Brecht schon vom Radio erhoffte:

Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.

Diese Eigenschaft des Netzes macht die aktuelle Lernkurve für die Vertreter der heute als alt anzusehenden Medien ein wenig steiler, obviously. Das ist, weshalb sich einige von ihnen in kulturpessimistisches Gejammer, wahlweise verzweifelten Regulationismus flüchten. Ist eben nicht jeder ein Brecht, nichwa?

Finally: Schon heute gibt es für Medienmenschen (wie mich) genügend, nachahmenswerte wie abschreckende, Beispiele, an denen wir die derzeitige mediale Revolution studieren und dann unsere Schlüsse ziehen können. Ich gucke mir in diesen Tagen beispielsweise verschärft – nein, nicht YouTube, sondern: current.com an, das Medienprojekt mit dem ehemaligen zukünftigen US-Präsidenten (und Erfinder des Internets, kicher) in der Chefetage. current.com gibt es zwar schon seit fünf Jahren, aber das macht es als Studienobjekt nicht weniger interessant.

Ich arbeite für einen öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland. Und die Arbeit wird von Tag zu Tag spannender.