Wg. Charlie

Zum Anschlag auf die Redaktion der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ist fast alles gesagt, wenn auch noch nicht von jedem. Entsetzen lässt sich nicht in Worte fassen, und überhaupt kann ein Mensch allein nicht alles verstehen.

Als Journalist möchte ich aber doch sagen: Die Karikaturen und vermutlich auch die übrigen Inhalte von Charlie Hebdo verraten, was einen Journalisten ausmacht. Es ist nicht unbedingt immer Geschmackssicherheit, schon gar nicht Rücksichtnahme auf die Verletzlichkeiten der gerne und berufsmäßig Verletzten, und auch über die journalistische Professionalität der Kolleginnen und Kollegen von Charlie Hebdo kann ich mangels näherer Kenntnisse nicht viel sagen.

Aber eins haben – oder hatten – die Kolleginnen und Kollegen, was jeder Journalist haben und beweisen sollte: Mut. Man kann es Courage nennen, Einsatz für die eigene kritische Position (gegenüber allen Religionen und eben nicht nur gegenüber dem Islam!) oder Arsch in der Hose, letztendlich ist Mut etwas, was in der Journalismusbranche viel zu selten bewiesen wird. Das gilt für Programmchefs öffentlich-rechtlicher wie privater Sender bei anstehenden Programmumbauten ebenso wie für Lokalreporter im Lokalblatt gegenüber den Honoratioren des Verbreitungsgebietes – und für alle dazwischen. Wir alle könnten eine dicke Scheibe von dem Mut gebrauchen, den die Kolleginnen und Kollegen der Toten von Charlie Hebdo jetzt beweisen, indem sie an der Ausgabe für nächste Woche, dem Journal des Survivants arbeiten, wie ihn aber ausgerechnet bedeutende Redaktionen in den USA – im Land, das Pressefreiheit mehr oder weniger erfunden hat! – nicht bewiesen, indem sie den Nichtnachdruck von Hebdo-Karikaturen mit wohlabgewogenen Worten als Entscheidung verantwortungsvoller Publizisten bezeichneten. We are not all Charlie.

Oder, wie Jeff Jarvis schreibt:

First, they came for the satirists. Then they came for the journalists. Who will be left to speak for you?

Der Mut, den Journalisten beweisen könnten, sollten, mündet so gut wie nie in einer tödlichen Schießerei, aber so gut wie immer in einem besseren Produkt.