Wg. Bellevue

Ohne sonderlich große Überraschung stelle ich fest, dass die bundesdeutsche Geschichte in Form der schwarz-gelben Koalition meine durchaus ernstgemeinten Blogposts nicht liest. Stattdessen lässt sie mir und Millionen anderen durch die Hauptstadtjournalisten mitteilen, wen sie an diesem Dienstagnachmittag für einen geeigneten Nachfolger für „Horst“ Köhler hält – und wen nicht.

Seiteneinsteiger – genannt wurde Joachim Gauck – haben demnach keine Chance; nach dem danebengegangenen Experiment mit dem Seiteneinsteiger Köhler nicht überraschend, aber schade. Stattdessen soll wieder jemand aus der Berufspolitik ran.

Wolfgang Schäuble werden deshalb an diesem Dienstag große Chancen eingeräumt, Ursula von der Leyen noch größere. Ein kranker Mann also, der vor sechs Jahren noch Interesse am und Kraft für das Amt gehabt hätte, den schwarzgelben Kunglern Merkel und Westerwelle damals aber zu unberechenbar war, und eine vom Ehrgeiz mehr als nur angenagte Frau, die einem kurzfristigen politischen Erfolg (der sich in Form ihrer seltsamen Internet-Stoppschilder bis heute nicht einstellen wollte) Vernunft, Ehrlichkeit, Fairness und Professionalität opferte?

Ja, du grundgütige Scheiße.

Sollte diese Republik wirklich keine geeigneteren (und, im Falle v.d.Leyen, würdigeren) Kandidaten für den Chefposten aufbringen können? Oder, mindestens ebenso schlimm: sollte die politische Kaste schwarzgelber Prägung tatsächlich so vernagelt sein, dass ihr außer der Flucht in die zum Überdruss abgenudelte Ver- und Entsorgungspolitik nichts einfällt?

Bis zur Wahl sind es noch 29 Tage…