Wg. Assange

J. Assange (Photo: espenmoeCC-Lizenz)

Für’s Protokoll: Ich halte Julian Assange (ha, ein Wikipedia-Link!) für einen creep und einen Fundamentalisten. Diese beiden Eigenschaften nehmen mich nicht für ihn ein. Darüber hinaus finde ich, dass er mit seinem undiplomatischen Depeschendienst zwar geschickt für Publicity für sein Ding und für die eine oder andere Reibungsfläche im internationalen Politgeschäft gesorgt hat, aufgrund des Mangels an Inhalt und Aufbereitung der Depeschen aber eben auch nicht mehr, weshalb der Hype um #cablegate genau das ist: nicht mehr und nicht weniger als ein voll beweglicher Klasse-5-Hype.

(In diesem Zusammenhang noch eins: Wer als nächster einen Skandal mit der angehängten Silbe -gate markiert, um ihn damit in eine Relation zum Skandal um einen Einbruch in ein auf -gate endendes Washingtoner Büro- und Apartment-Haus zu setzen, möge bitte Nachhilfe in Geschichte nehmen, wahlweise Scheisse fressen.)

Zurück zu Assange. Seine Depeschen-Nummer hat, soweit sei der Hut gezogen, einige Dinge bewirkt:

  • Die Information in „Informationsgesellschaft“ hat Boden gut gemacht gegenüber ihrer ewigen Feindin, der Geheimhaltung. Schon das Wissen um die Möglichkeit der Veröffentlichung nichtöffentlicher Inhalte kann die Geschäftsgrundlage des menschlichen Zusammenlebens auf allen Ebenen oberhalb des Banalen im 21. Jahrhundert komplett umwerfen. Ob das wirklich gut ist, wird sich zeigen.
  • Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, auch mal Unwahres zu leaken (danke an Wolfgang Michal für diesen Aspekt der Frage!).
  • Die Mitglieder der prä-informationellen Gesellschaft (der sog. „Industriegesellschaft“, Lokomotivbauer, höhö) verraten ihre Ignoranz und Verunsicherung durch kreischende Hysterie, was zwar an Ignoranz und Verunsicherung nichts ändert, aber lustig anzusehen ist.
  • Vielleicht lernt der eine oder andere Fachmann jetzt ein wesentliches Feature des Netzes verstehen (und von mir aus hassen): „The Net interprets censorship as damage and routes around it.“ (John Gilmore)
  • Letzteres gilt übrigens auch für das Netz in Europa, gell?
Insoweit: Dankeschön, Mr. Assange. Und nun verlassen Sie bitte wieder meine Aufmerksamkeit.