Wer die Wahl hat…

Es war schon eine spezielle Begrüßung, die einem bei der Rückkehr aus dem Urlaub entboten wurde: Von der Stadtgrenze bis zum heimischen Hofparkplatz nichts als Wahlplakate, und was noch befremdlicher war: Die meisten waren mit „N–“ gezeichnet. Oder jedenfalls kam es dem ungeschulten Auge so vor.

Gerade eben wieder über eine Stunde auf Ausfallstraßen der Hauptstadt verbracht (Prenzlauer Berg – Schönefeld u.z.) und den Eindruck beinahe bestätigt bekommen. Nun ja, wohl eher nicht, aber es gibt eben Parteienkürzel, da stellen sich die Nackenhaare eben schneller und steiler auf. Zur Ablenkung über den Sinn von Wahlwerbung nachgedacht. Keinen gefunden.

Ich meine: Die Anhänger der Nichtwählerpartei werden sich weder durch glattpolierte Anwaltsfressengesichter noch durch grinsende SchlägerVisagen oder gar staatstragend guckende Wirtschaftssenatoren (man merkt schon: ich komme von der N-Partei weg) zum Wählen bekehren lassen. Weiter: Die politische Grundeinstellung wird selbst der wechselhafteste Wechselwähler nicht wechseln wie sein Unterhemd (oder, nun ja – ich fürchte doch: Er hat gar keine und lässt seinen Frust in der Wahlkabine ab). Also was sollen die (mit den bereits angedeuteten Ausnahmen) austauschbaren Parolen (Exkurs: Wie weit ist es mit den Grünen gekommen, dass auch sie jetzt berlintümeln müssen? Naja, ist eben Lokalpolitik…)? Glaubt denn irgendjemand, Wahlentscheidungen seien durch Plakate leichter zu beeinflussen als, sagen wir mal: durch Politik? Ist es wie bei der Kampagne zur Einführung eines neuen Waschmittels: „Du, Mutti, da gibt es doch diese N-Partei. Die gibt es jetzt mit Megaperls und neuen, freundlicheren Gesichtern. Ob wir die mal wählen sollen?“

Bevor der rant noch mehr mäandert: Leute, geht wählen, selbst wenn es nur fürs Abgeordnetenhaus ist. Get involved, verdammt noch eins. Aber wählt nicht die o.a. Hackfressen – dann sind sogar Wahlplakate noch zu etwas gut.