Wer die Wahl etc.

Eins weiß ich seit sechs Tagen: Wer als Wahlhelfer die Wahl hat, hat – zopfige Formulierung hin oder her – die Qual. Arg anstrengend ist so ein Wahltag für die auf der anderen Seite der Urne; das habe ich bei meinem ersten Einsatz als Wahlhelfer gelernt.

„Wie war’s?“ lautete am Tag danach die am häufigsten gestellte Frage der lieben Kollegen, die – ist im Nachrichtengeschäft eben so – den Wahlabend auch nicht friedlich im heimischen Wohnzimmer verbracht hatten; die zweithäufigste Frage war: „Wie wird man das?“

Aus chronologischen Gründen gibt es die Antwort auf die zweite Frage zuerst. Man muss nur an geeigneter Stelle, z.B. im Bürgeramt, wie ich es getan habe, leise „hier“ sagen (meist in Form einer schriftlichen oder elektronischen Anmeldung), und schon nimmt man den Freiwilligen mit Handkuss. Wahlhelfer werden offenbar immer gesucht – und mit einem Erfrischungsgeld von (z.Zt.) € 35,00 und jeder Menge Zählspaß geködert.

Ein Profitipp (ja, ich bin jetzt Profi): Wer beim Anmelden das Feld freilässt, in dem der Mensch seine bevorzugte Einsatzfunktion eintragen soll, läuft Gefahr, ein sog. Wahlvorsteher zu werden – unabhängig von der Erfahrung als Wahlhelfer. So erging es mir bei null Erfahrung, und ich durfte den letzten Sonntag als Briefwahlauszählmeister von 13:00 bis zum Ende der Zählung mit acht freundlichen und engagierten Mitbürgern verbringen, von denen mir der Schriftführer am meisten leid tat, so traurig, wie er guckte, als er mir mitteilte, dass die Anzahl der Wahlscheine nicht mit der der Anzahl der blauen Wahlzettelumschläge in der Urne übereinstimmt.

Houston, wir haben ein Problem.

Also zählten wir, der Schriftführer und ich, die Wahlscheine nach. Und nochmal. Und bekamen schließlich unabhängig voneinander doch die richtige Zahl heraus. Wer wissen will, wie wir uns danach gefühlt haben, greift sich bitte drei 500er-Pakete Druckerpapier, nimmt den Inhalt von zweien und eine zufällig herausgegriffene Anzahl von Blättern aus dem dritten Paket, macht aus allem einen Packen und zählt durch. Dreimal. Und da war noch nicht ein Stimmzettel ausgezählt.

Das Stimmzettelauszählen war dagegen so, wie wir es aus dem Schulungsvideo gelernt hatten – nur anstrengender. Über 1200 Stimmzettel mussten nach einer vorgeschriebenen Choreografie auf Stapel verteilt werden, was angesichts langer Stimmzettel (17 Parteien) und z.T. hoher Stimmzettelstapel (CDU Zehlendorf) eine gewisse Umsicht erforderte. Bei wenigen Zetteln beriet das Team, ob der Stimmzettel zugelassen wird, und weil Steglitzer und Zehlendorfer Briefwähler ihr Wahlrecht offenbar ernst nehmen, waren es auch wirklich nur wenige, die auf ihrem Stimmzettel Ungebührliches hinterlassen hatten. Die angekündigten Smilies oder die „im Wahlumschlag deutlich fühlbaren Gegenstände“ (Ü-Eier?) sind uns jedenfalls nicht untergekommen.

Und am Ende stimmten die Zahlen überein, und wir wurden in die dunkle Nacht hinaus entlassen. Die vorsorglich mitgebrachten Kopfschmerztabletten habe ich nicht gebraucht, die eigentlich zum Mitbringen gekauften dänischen Butterkekse hatte ich zuhause vergessen. Und ob ich das nochmal mache, weiß ich nicht. Aber interessant war es doch.

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