Was, bitte, sind Hauptmeldungen?

Facebook mobil, Montagabend
Facebook mobil, Montagabend

Wie wir Facebook-Experten wissen, ist alles ja ganz einfach. Wenn uns was an Facebook nicht passt, ob neue Nutzungsbedingungen oder auch nur lästige Einladungen zu dito Spielen, dann müssen wir das nur in einer Textverarbeitung aufschreiben (gerne auch weiß auf schwarz), ein Bildschirmfoto davon machen, dieses Foto dann an unsere Facebook-Pinnwand nageln, und schon haben wir erfolgreich und wirkungsvoll Widerspruch gegen Nutzungsbedingungen oder nervige Spiele (you know who you are!) eingelegt. Denn Facebook speichert ja nicht nur alles, sondern lässt auch, so kein lesbarer Text vorhanden, sicherheitshalber eine Texterkennung über jedes Bild laufen, um zu sehen, ob da einer Text fotografiert hat. Und weil die Datenbanken und die Rechenpower von Facebook unendlich sind, ist natürlich das Ergebnis, dass sich jeder seine eigenen Nutzungsbedingungen zurechtprotestieren darf.

Oder auch nicht.

So fürchten wir uns also vorm bösen Zuckerberg, finden alles, was Facebook so treibt, eher undeutsch, weil nicht den hiesigen Datenschutzerwartungen entsprechend (kann mir die jemand mal in drei knackigen Sätzen formulieren, BTW?), und kommen doch nicht von Facebook los.

Jeder hat so seine Lieblingsstelle zum Kratzen, ob das neue Instagram-Bedingungen sind oder der gerade ausgerollt werdende graph search, mit dem Facebook Google entthronen will (oder auch nicht). Und immer geht es darum, dass unsere Daten, die uns gehören, und über die wir mit lächerlichen Textbildern unsere Kontrolle behalten wollen (s.o.), enteignet werden. Damit andere damit Geld verdienen!! Sozialismus im Kapitalismus eben, nicht!?!!

Mich stört was ganz anderes. Mich stört nicht, dass ich enteignet werden soll. Mich stört, dass ich manipuliert werden soll.

Facebook hat, wie andere populäre Dienste auch, große Kosten und ungeduldige Investoren. Facebook sucht deshalb nach immer neuen Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Facebook nervt deshalb zunehmend mit sponsored links, aber nun ja.

Und Facebook entscheidet immer dreister, was ich zu sehen bekomme. Obiger Screenshot entstand vor eine halben Stunde auf meiner Funkquatsche (Themen: Shopping, FDP, Bildungspolitik). Zwei Minuten später zeigt mir das gleiche Facebook im Browser folgendes:

Facebook im Browser, zur gleichen Zeit
Facebook im Browser, zur gleichen Zeit

Wir sehen: komplett andere Inhalte (Wetter, Tiere, Hitler. Hitler??). Facebook-App und Facebook-Seite werden vom gleichen User mit dem gleichen vermuteten oder wirklichen Interessensgebiet aufgerufen, und beide Aufrufe fragen nach „Neuesten Meldungen“. Und nein, der Unterschied liegt nicht daran, dass zwischen den beiden Screenshots zwei Minuten vergangen sind.

Ach ja, auch die Sache mit den „Neuesten Meldungen“… Regelmäßig weiß Facebook es besser als ich und stellt zumindest die Browser-Ansicht auf die sogenannten „Haupt-Meldungen“ um – erkennbar lediglich daran, dass am oberen Ende der Timeline wieder nur „Sortieren“ steht, nicht (wie im Screenshot) „Sortieren: Neueste Meldungen“. Wie diese sogenannten Hauptmeldungen ausgewählt werden, ist ein ungefähr so gut gehütetes Geheimnis wie Googles Suchkriterien. Was ich zu sehen bekomme, ist also nicht das, was ich erwarte (die neuesten Inhalte meiner Freunde), sondern was nach Facebooks Meinung gut für mich ist.

Das wirklich Ärgerliche daran: Ich erkenne darin kein System, und die Meldungen werden durchaus nicht nach meinen Interessen ausgewählt. Im Gegenteil: Gerade in der Mobil-App tendiert Facebook dazu, mich mit alten oder (für mich) weniger relevanten Inhalten zu langweilen (Hinweis an die Akteure in obigem Screenshot: Ihr seid nicht gemeint. Ihr doch nicht.).

Ja, Facebook, vielleicht habe ich nicht die nötige Konzentration, um wirklich allen paar hundert Freunden konzentriert zu folgen. Aber lass das doch bitte mein Problem sein, lasst mich – wie im restlichen Internet auch – mein eigener gatekeeper sein. Auf einer Fete, auf der mir die Gastgeber nach ihren Vorstellungen regelmäßig die Ohren zuhalten, bleibe ich auch nicht ewig.

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