Wahlkampf vs. Sonntagnachmittag

Liebe Mitwähler,

es folgt eine eher belanglose Beobachtung. Aber es ist ja auch noch eine Weile hin bis zur Wahl.

Aus Gründen, die nichts zur Sache tun, heute mehr als zwei Stunden mit dem Auto durch die Stadt gegondelt. Mehr als zwei Stunden Wahlplakate gesehen bekommen („sehen“ als transitives Verbum gibt es auch nur in der Werbung!) und mir Gedanken über das falscheste Lächeln du jour gemacht.

Ganz vorne – aber das mag seine Gründe in der Politik der letzten Monate haben – liegt Ursula von der Leyen, die eine Horde Gruppe unschuldiger Kinder buchstäblich kaltlächelnd anfletscht (und wenn ich das Plakat demnächst sehe, ohne die Pfoten auf dem Lenkrad zu haben, liefere ich das Photo nach!). Nun erwarte ich allerdingsbums auch von einer Familienministerin keine Warmherzigkeit im Dienst; wer es bis ins Chefzimmer eines Ministeriums geschafft hat, hat das nicht mit Mitgefühl und Sensibilität erreicht. No Sir.

Durchaus ebenbürtig zeigt sich jedoch Ingo Schmitt, Kandidat der Charlottenburger CDU und deshalb jenseits der Stadtgrenzen zu Recht unbekannt. Schmitt ist derjenige, der seit Jahren jeden Versuch der Berliner CDU, wieder wählbar zu werden, erfolgreich sabotiert und seine Partei zuverlässig in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts festhält. Über die Methoden, mit denen Schmitt und seine Genossen Konsorten Hoffnungsträger wie Friedbert Pflüger weggebissen haben, muss man nichts wissen – ein Blick auf Schmitts Wahlplakat genügt.

Dass Westerwelle bei mir keine Chancen hat, wissen alle, die es interessiert. Weshalb auch noch das herzlichste Lächeln in begeisterten Menschenmengen bei mir nicht ankommt.

Wenn wir aber schon mal bei falschem Lächeln sind: Herr Gysi, „Reichtum für alle“?? Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder? Und deshalb lassen Sie sich gesagt sein, was Sie vermutlich ohnehin wissen: Ironie kommt in schriftlicher ebenso wie in photographierter Form nicht zuverlässig rüber.

Setzen.

Ach ja, noch was, MPLD: Du weißt, dass das Internet eine Erfindung amerikanischer Wissenschaftler war, und dass es in seiner Anfangszeit heftig vom amerikanischen Verteidigungsministerium gefördert wurde? Und trotzdem hast Du eine eigene Homepage in diesem Internet? Pfuibäh!