Wählen!

Machen wir’s kurz an dieser Stelle; Wahlaufrufe gibt es zu Genüge, und die meisten sind, kennt man erst die Autoren, von bemerkenswerter Spannungslosigkeit.

Also:

Nochmalerweise ist die Zweitstimme trotz ihres Namens wichtiger: sie entscheidet per Definition über die Zusammensetzung des Bundestages. 7% der gültigen Stimmen bedeutet (erst mal, aber dazu gleich mehr) 7% der Sitze im Bundestag. Die Zweitstimme wirkt sich nach dem Verhältniswahlrecht aus, und ohne sie bzw. dieses hätten wir nur CDU-, CSU- und SPD-Abgeordnete plus Herrn Ströbele und vielleicht einen oder zwei versprengte Linke im neuen Bundestag.

Mit der Erststimme dagegen – die nach dem Mehrheitswahlrecht funktioniert – wählen wir unsen Direktkandidaten. Dieses Konstrukt ist daran schuld, dass via Überhangmandate Leute in den Bundestag kommen, die nach der Stimmenverteilung der Zweitstimmen nichts darin zu suchen hätten, und die so das Wahlergebnis verfälschen.

Damit ist das Bundesverfassungsgericht nicht einverstanden, und deshalb soll es in zwei Jahren eine neue Regelung geben. In zwei Jahren – nicht jetzt. Weshalb die Überhangmandate die Wahl entscheiden könnten, obwohl sie das nicht sollen. Und plötzlich ist auch korrektes Abgeben der korrekten Erststimme wichtig.

Weshalb die Piraten – die selbst nicht mit Direktkandidaten zur Bundestagswahl angetreten sind, vom Gewinn eines Direkt- oder gar Überhangmandates also ungefähr so weit entfernt sind wie wir alle vom Urknall – sich die Mühe gemacht haben und uns erklären, wie wir unsere Erststimme verteilen sollen, um Überhangmandate schon bei dieser Wahl zu verhindern.

Und ich soll Thierse wählen?? Kommt nicht in die Thierse.

So also lautet mein Wahlaufruf: Wählt nicht nach Sympathie oder Schönheit. Wählt auch nicht nach Parteien. Wählt nach dem, was euch wichtig ist. Mir sind Bürgerrechte, Datenschutz und Kompetenz in der Informationsgesellschaft wichtig, weshalb CDU, CSU, SPD und auch die Linke diesmal nicht mit mir rechnen können (kleine Drecksparteien vom linken oder rechten Rand übrigens auch nicht). Weshalb eine ebenfalls kleine Partei, die links und rechts manchmal schlechter identifiziert, als gut für sie ist, durchaus in meinem persönlichen Kreis der Wählbaren verbleibt.

Kann sein, dass eure Prioritäten anders sind. Aber wie sie auch sind: Ein „Weiter so“ bringt uns eben nicht weiter. Also: GEHT WÄHLEN!

‚tschuldigung fürs Rumbrüllen.