Von Mäusen, Fenstern und Autos

Was tut man als besorgte/r Katzenpapa/mama, wenn der plüschige Mitbewohner neurotisch wird? Man gibt der Katze was zum Spielen. Sensible Menschen beschränken sich dabei auf Mäuse aus Gummi, Karnickelfell oder Plastik; nur Rohlinge kommen auf die Idee, ihrem Liebling „the real thing“ zu schenken. (Meine beiden Panther gucken mich manchmal hoffnungsvoll an, ob ich nicht doch ein Rohling bin. Sorry, Plüschies!)

Gut, aber was ist zu tun, wenn die Maus, also die, die den ganzen Tag neben der Tastatur hockt, einsam ist? Keine Ahnung – meine ist es nicht. Die KleinCam verrät mir schon, dass meine Panther die Sache kapiert haben und mit der Maus spielen, wenn ich nicht da bin. Andere haben offensichtlich keine Katzen, und so muss die Idee zur „:CueCat“ (der Doppelpunkt ist ganz besonders hip! Gemeint.) enstanden sein.

Weshalb auf immer mehr Schreibtischen in den USA neben der beigen Plastikmaus eine ziemlich hässliche beige Plastikkatze liegt, die aus der Schnauze gespenstisch rot leuchtet. Die Idee dahinter ist bestechend einfach – und bestechend doof: Wenn immer der treue Surfer in einer Zeitschrift einen speziellen Streifencode sieht, liest die :CueCat (der Doppelpunkt nervt!) diesen Code ein und bringt den Surfer zur entsprechenden Webseite. Und weil das nicht genügt, liest die :CueCat auch noch den Bar-Code auf der Cola-Dose, und den auf der Nudelpackung, und den auf dem Klopapier – und bringt uns alle fröhlich auf die Webseiten der jeweiligen Hersteller.

Eines an der Geschichte ist komisch. Die Vorstellung nämlich, :CueCat’s Herrchen/Frauchen würde alle Aktivitäten künftig im Umkreis des vergleichsweise kurzen Kabelschwanzes der DoppelPunktKatze machen.

Und eins ist überhaupt nicht komisch: Dass die Firma, die die :CueCats kostenlos unters Volk bringt, den Service nur gegen einen wahren Datenstrom über das Lese-, Surf- und Bestell-Verhalten des Kunden anbietet. Tsk, tsk…

November ist eine Zeit der Besinnlichkeit und inneren Einkehr. Insoweit war es doch passend, als ich heute beim Aufräumen im Büro uralte Computerzeitschriften aus dem Regal in den Mülleimer kippte. Und natürlich darin blätterte und von den Zeiten träumte, als eine Festplatte von 30 MB (Mega, nicht Giga!!) der Gipfel der Businesstechnologie war und es tatsächlich noch einen Streit darum gab, ob ernsthafte Computerarbeiter so etwas wie eine GUI, eine grafische Benutzeroberfläche brauchen, und ob denn dieses Microsoft Windows oder doch OS/2 das Rennen machen würde. Erinnert sich noch jemand an OS/2?

Und dann ist es noch Zeit für eine Selbstkorrektur (oh, wie ich das hasse!): Gestern habe ich noch behauptet, im Netz gebe es nichts geschenkt. Heute stolpere ich über FreeCar.com, eine Firma, die allen Ernstes behauptet, mit einer auffälligen Werbefolie beklebte Autos umsonst an Vielfahrer abgeben zu können. Ich bin ja gespannt darauf, wie sich das rechnen soll. Und die Washington Post war es wohl auch, denn sie hat ausgerechnet, wie das funktionieren kann. Und sie hat geschrieben, dass für ein wirkungsvolles Billboard in den USA jährlich zehn- bis zwanzigtausend Dollar fällig werden. Mal rechnen: Vertragslaufzeit zwei Jahre, Preis für den Chrysler PT Cruiser, das Auto, das ich schon als FreeCar auf der Strasse gesehen habe: zwanzigtausend Dollar. Da ist der Profit. Staun. Das wird doch nicht etwa ein funktionierendes Geschäftsmodell sein??

Wir werden sehen.