Vielleicht ’ne kleine Spende?

„Entschuldijensiemadiestörung, ick heiße Ilya, und ick vakoofe die Obdachlosenzeitung Sohschl Netwöaking Plattform Diaspora. Von jeden vakooftn Exnplah jeht een Öro ann Verlaach, und een Öro iss für mich. Oda vielleicht hamse ja ooch ne kleene Spende für mir. Dankeunschöntachnoch.“ (Zieht brummelnd und müffelnd ab)

Ganz so war die Mail, die mir (und vielen anderen) heute abend die Menschen hinter Diaspora, der Peer-to-peer-Alternativausgabe von Facebook, schickten, nicht formuliert. Aber es ging nicht nur um Liebe (die schrieben doch tatsächlich „We love you“!), sondern brutal um Geld. Eine Bettelmail. $ 50 seien wohl angemessen.

Ich meine, ich bin ja selber schuld. Als Diaspora von der Idee zum Projekt wurde, habe ich in meiner Begeisterung $ 100 gespendet. Bekommen habe ich dafür das sprichwörtliche lousy t-shirt, ein paar Aufkleber und eine CD mit der ersten Version von Diaspora, funktionsfähig (nehme ich an), aber mit derart exotischen Mitteln entwickelt, dass ich die Sache nicht einmal auf der heimischen Linuxbüchse installiert bekam, geschweige denn auf einem Mietaccount beim Hoster.

Wisst ihr was, Ilya & Co.? Ich glaube gerne wieder an eure Idee, sobald sie weniger esoterisch und dafür brauchbarer geworden ist. Es geht mir gar nicht darum, dass kaum jemand aus meinem Bekanntenkreis Diaspora nutzt oder auch nur kennt. Es geht mir darum, dass ihr es den Leuten auch wirklich nicht leicht macht, Diaspora selbst zu erforschen und kennen- und mögen zu lernen.

8 Gedanken zu „Vielleicht ’ne kleine Spende?“

  1. Die Mail geistert mir schon den ganzen Abend im Kopf herum, und du hast das Unbehagen, das mich beim Lesen befallen hat, ganz hervorragend auf den Punkt gebracht. Wobei ich es nicht grundsätzlich falsch finde, die Leute, die Wert auf eine Entwicklung legen, um Geld zu fragen – aber die Art, die Form. „We’re building Diaspora*, in a spirit of community, because we believe in you. You’re one of the innovators, the creative ones, the people who make the world awesome. „ Und das an die ganze Subscriber-List. *bleagh*

    Ich habe im Vorfeld übrigens nichts gespendet, und bei mir lautet der Vorschlag „Can you contribute $25.-, or any other amount you feel comfortable with?“ – Also scheint es im Betrag durchaus Abstufungen zu geben.

  2. Gleiches Gefühl, auch 25$ dafür zwei Mails und ja, ich hatte auch gespendet aber weniger (1 Aufkleber)

  3. „Es geht mir darum, dass ihr es den Leuten auch wirklich nicht leicht macht, Diaspora selbst zu erforschen und kennen- und mögen zu lernen.“

    Die Registrierung ist jetzt auf vielen Pads offen, ich selbst bin seit einigen Tagen dabei, komme bis auf der Sache mit Markdown ( http://bit.ly/nd17FQ ) gut damit zurecht und finde es ganz brauchbar. Vielleicht habe ich was überlesen, aber wie kommst du zu dieser Behauptung?

    • Anmelden kann ich mich auch bei Google+ oder Facebook oder wo auch immer. Nutzen kann ich alle möglichen Dienste. Das besondere an Diaspora erschien mir, unabhängig sein zu können von irgendwelchen Anbietern, selbst über meine Daten verfügen zu können und trotzdem vernetzt zu sein. Bisher ist mir aber aufgrund der, sagen wir, nicht alltäglichen Systemvoraussetzungen genau das nicht möglich. Noch ein System, das von anderen betrieben wird, brauche ich nicht.

  4. Hi Konstantin,
    eine nachvollziehbare Meinung von dir. Aber das Erstellen einer komplexen Netzwerksoftware funktioniert nicht über Nacht. (Nicht, wenn man eine Schar Entwickler bezahlen kann wie z.B. Google.)

    Beachte, daß Diaspora noch in der Alpha-Version ist und noch mitten in der Entwicklung steckt. In der Tat kannst du dir aber mit dem schon veröffentlichten Code einen eigenen Pod erstellen.
    Wo liegen deine Daten, wem gehören sie und wer hat Zugriff darauf.. Wenn du, ein Freund oder ein Familienmitglied einen Pod erstellst hast du definitiv mehr Gewissheit darüber, als es bei Facebook und Google je möglich sein wird.

    Teste doch einfach mal diaspora. Z.B auf despora.de oder auf anderen pods, die du bei podupti.me findest.. Eine ganze Menge enthusiastischer Leute findest du dort schon. Die Software ist schon weit gediehen.

    Ich denke es handelt sich nach wie vor um ein dringendes Projekt:
    Denn:
    Brauchen wir nicht einen Gegenpol zu den zwei Megakonzernen, die über ein so umfangreiches Wissen über die Vernetzung und das Privatleben der Menschen verfügen. Und das auch noch mit automatischer Gesichtserkennung! Vorbei ist die Anonymität. Was bedeutet dieser Schritt von der virtuellen in die reale Welt?!

    Schöne Grüße,
    Bernd

    PS: Im übrigen schließe ich mich dieser Meinung an: „So what do people expect? That they shouldn’t get paid for work?“
    http://slow-news-day.net/2011/10/diaspora-and-the-shame-of-getting-paid/

    • Liebe Verteidiger von Diaspora,

      es geht nicht darum, dass ich Diaspora nicht als User testen möchte. Ich habe einen Account auf dem Geraspora-Pod, und das funktioniert ja bisher auch einigermaßen erfreulich.

      Was mich stört (und ich dachte, das wäre aus meinem Text klar hervorgegangen, aber ich schreibe es gerne noch einmal):

      1. die Form. Ich bin zu Spenden bereit, was man an den $ 100 sehen kann, die Diaspora anfangs schon von mir bekommen hat. Ich wäre vielleicht sogar zu einer zweiten Spende bereit gewesen, wenn die Diaspora-Leute einen allgemeinen Spendenaufruf veröffentlicht hätten. Direkt angebettelt zu werden, und dann auch noch mit dem konkreten Vorschlag, 50 US-Ocken zu schicken, finde ich, sagen wir: ein wenig undiplomatisch.

      2. den Weg, den die Diaspora-Leute gehen. Ich weiß, dass ich mir einen eigenen Pod erstellen können soll. Ich kann es bloß nicht. Sämtliche Installationsversuche (nun gut, mehr als drei, vier waren es nicht, weil ich irgendwann die Schnauze voll hatte) scheiterten sowohl auf einem alten PowerMac als auch auf einem 64-bit-Linux-System, weil immer irgendwelche Abhängigkeiten unauflösbar blieben (auf dem Intel-Mac habe ich es dann schon nicht mehr probiert). Es mag ja sein, dass andere mit anderer, noch aktuellerer Hardware oder exotischeren Compilern/Interpretern, als ich sie habe, damit keine Probleme hatten. Meine Auffassung von Diaspora im speziellen und offenen, sozusagen demokratischen Softwareprojekten im allgemeinen ist, den Nutzern (nicht denen, die sich irgendwo anmelden, sondern denen, die selbst damit spielen/arbeiten wollen, die einen eigenen Pod erforschen wollen) so weit wie möglich entgegen zu kommen.

      Nun ist es so, dass ich, hauptberuflich Journalist, aber nicht ganz ohne IT-Kenntnisse (zu einem Bachelor hat es immerhin gereicht), Diaspora nicht installiert bekam. Jörg Kantel (der „Schockwellenreiter“), der sein Geld mit IT-Entwicklung und -Administration verdient und deshalb sicher sehr viel mehr Ahnung hat als ich, ist es genauso gegangen. Sprich: Diaspora macht es potentiellen Betreibern schon von seiner Architektur her zu schwer.

      Und deshalb glaube ich, dass das Diaspora-Team auf dem falschen Weg ist.

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