Vernetzt, Teil 2

Das Elend geht weiter. Lese ich doch da beim Versuch, die erste Erkältung der Wintersaison 2009/2010 zu ignorieren, einen Artikel von Mark Krynsky, der sich seinerseits auf einen Artikel von Steve Rubel bezieht, in dem es um sinnvolle Datenflüsse im Rahmen von Lifestreaming geht. Never mind, dass Lifestreaming hier schon nicht mehr als das chronologische, aber sonst wahllose Publizieren von Netzaktivitäten angesehen wird, sondern als eigenständige Form der Netzpublizistik (im Grunde nur blogging on steroids oder so).

Was mich an den oben verlinkten Artikel eher interessiert hat, war genau das, was ich im letzten Posting auf dieser Seite (schon mit dem Text „Das Elend“ ganz am Anfang verlinkt) angesprochen habe: streamlining the lifestream nämlich.

Wer es schon kapiert hat, kann jetzt weglesen. Für mich und andere, die sowas gerne Punkt für Punkt auseinanderklamüsern, folgt eine Bestandsaufnahme:

Dienste im Social Web – mal ganz allgemein gesprochen – haben zwei Hauptfunktionen:

  • das Sammeln von Informationen
  • die Verteilung von Informationen.

Das beginnt bei so ehrwürdigen Protokollen wie RSS und endet bei Diensten wie FriendFeed oder der neuen FriendFeed-Besitzerin Facebook. identi.ca, Twitter & Co. dienen auf dem ersten Blick eher der Verbreitung als dem Sammeln; weil sie aber Plattformen ihrer selbst sind, weil sie Subscriptionen und Timelines ermöglichen, sammeln sie für ihre Mitglieder auch die Informationen ein, die sie interessieren (oder auch nicht).

Nun bieten gerade solche technical marvels wie FriendFeed oder auch (ja doch!) Facebook beide Möglichkeiten, Sammlung und Distribution, in leistungsstarker Ausführung an, und die Versuchung ist groß, einen Dienst in beiden Funktionen einzusetzen.

Nicht gut, das.

Der Effekt im vorliegenden (also meinem) Falle war, dass ein Eintrag auf dieser Seite automatisch an Friendfeed und an Twitter gemeldet wurde. Ergebnis: Ein und der selbe Eintrag erschien zweimal in meiner Facebook-Timeline. Weil aber gleichzeitig Facebook auch noch den RSS-Feed dieser Seiten auswertet, kam der selbe Beitrag einige Stunden später noch ein drittes Mal in die selbe Timeline.

Nun habe ich mal – unter Grausen – gelernt, die wirksamste Art der self promotion im Radio (wo ich lang und nicht ganz erfolglos gearbeitet habe) ginge so:

Tell them, what you’re going to tell them. Them tell them. Then tell them what you’ve told them.

Redundanz also nicht als Firlefanz, sondern als Prinzip erfolgreicher Arbeit. Ist mir im Falle meines Facebook-Accounts aber trotzdem peinlich, weshalb also jetzt wie folgt gestromlint wird (oder wie das Verbum zu stromlinienförmig auch heißt – die Rechtschreibkontrolle zeigt sich hilflos):

  1. Beitrag wird hier erstellt.
  2. Beitrag wird automatisch an FriendFeed gemeldet.
  3. Friendfeed informiert Twitter über diesen Eintrag (aber über nichts sonst, was in meinem Friendfeed so vor sich geht!). FriendFeed liest zwar meinen Twitter-Account ebenfalls aus, ist aber schlau genug, das von FriendFeed selbst Getwitterte zu ignorieren. Das ist gut so, sonst Infinite Loop.
  4. FriendFeed informiert weiterhin meinen Facebook-Account. Da aber FriendFeed den eigenen Tweet ignoriert, taucht der Tweet in der Facebook-Timeline nicht noch einmal auf – im Gegensatz zu den anderen, von mir direkt verschickten; die werden weiter per FriendFeed an Facebook geschickt.
  5. Können Sie mir noch folgen? Nein? Ich auch nicht.
  6. Das Auslesen des bluelectric.org-Feeds habe ich Facebook teilweise verboten. Auf der Pinnwand tauchen Beiträge von dieser Seite jetzt nicht mehr auf, nur auf der bluelectric.org-Seite und irgendwo dahinten auf meiner persönlichen Seite.

Ergebnis: Etwas mehr Rauschen im Netz, von dem aber der geneigte (und nach all dem hier noch verbliebene!) Leser weniger mitbekommt. Und das ist es doch, was wir wollen auf unseren Netzempfangsgeräten: Weniger Rauschen.

Zurück zum ausgedruckten Programm.

Update, 11 Tage später: Friendfeed als zentralen Umschlagplatz zu nutzen, hatte Vor- und Nachteile. Der Vorteil war, das nichts mehr verloren ging. Der Nachteil war, dass nichts mehr verloren ging, dass ich also Facebook mit einer Menge Informationen überschwemmte, die dort weniger interessierten. Deshalb sieht die Sache inzwischen so aus:

  • Eingegeben werden Informationen in WordPress (also hier), Twitter, Brightkite, den Google Reader (OK, da wird nur mitgeteilt, und das war das, was bei Facebook nicht gut aussah), del.icio.us (gerne immer noch in der alten Schreibweise), Flickr und Posterous.
  • Gesammelt werden die Informationen an zwei Stellen: FriendFeed und der hauseigene Lifestream, der auf der Startseite in der mittleren Spalte steht und einmal pro Tag eine Zusammenfassung zu Protokoll gibt.
  • Zu Facebook schickt jeder Dienst, soweit von mir dort erwünscht, seine Informationen selbst: Twitter, Brightkite, Posterous und das Weblog – letzteres wird über NetworkedBlogs auf meine persönliche Seite und über RSSGrafitti – auch so eine Facebook-Anwendung) auf die bluelectric.org-„Fanseite“ geleitet.

Womit dieser Artikel auf den neuesten Stand gebracht wäre.