Unruhig mobil

Wie ich heute schon früher am Tage bemerkte:

Was ist geschehen, das mich so beunruhigt?

Gelegentlichen Lesern dieser Seiten dürften gelegentlich meine gelegentlichen Anmerkungen zu meinem iPhone und zu Produkten des Hauses Apple ganz allgemein ins Auge gefallen sein. Oder anders ausgedrückt: Seit dreieinhalb Jahren (so lange schon???) bin ich ein Apple-Fanboy mit all seinen schlechten Seiten. Und auch wenn mich das iPhone der 1. Generation noch so wenig beeindruckt hatte, dass ich stattdessen ein politisch unkorrektes Nokia kaufte – das UMTS-fähige iPhone 3G (was ich immer eine verwirrende Bezeichnung für ein Gerät einer 2. Generation hielt, obwohl ich wusste, dass UMTS in anderen Gegenden der Welt „3G“ heißt) hatte mich sofort fest im Griff.

Umgekehrt war das leider nicht immer der Fall.

Zwischendurch hatte ich als Ersatzgerät ein HTC Magic herumliegen, weil mich das OHA-Betriebssystem Android interessierte. Sonderlich überzeugt war ich aber trotz mehrerer persönlicher Vergleichstests nicht, und so gab ich das Magic weiter.

Tscha. Und nun probiere ich seit gestern, wie das etwas neuere HTC Hero sich so anfühlt. Und was soll ich sagen?

OK, nichts. Ich sage es aber trotzdem: Android auf dem Hero ergibt zwar noch keinen iPhone-Killer – so etwas gibt es ohnehin nicht und wird es nicht geben, da das iPhone eine Klasse für sich definiert und geprägt hat, so wie der VW Golf die nach ihm benannte Golf-Klasse definiert, geprägt und dominiert hat. Aber es kommt schon verdammt nah an das iPhone heran – und zwar aus einer unerwarteten Ecke.

Zuletzt hatte ich gesagt, dass das iPhone mit unerreichtem Bedienungskomfort und dito usability punktet und punktet und punktet. Das ist auch weiterhin so – aber die HTC-eigene Android-Oberfläche Sense verbessert einige entscheidende Nachteile des Original-Android ganz gewaltig: Das On-screen-Keyboard ist nun brauchbar und fast so schnell und gut bedienbar wie das des iPhone. Der Android-Browser beherrscht nun das Vergrößern und Verkleinern mit zwei Fingerspitzen, wie wir es vom iPhone her kennen und lieben. Und obwohl sich Magic und Hero technisch nicht groß voneinander unterscheiden, fließen Bewegungen und Übergänge beim Hero viel eleganter als bei einem Standard-Android-Handy – teilweise sogar eleganter als bei meinem iPhone der 2. Generation (wie das iPhone 3GS fließt, weiß ich nicht).

Dazu kommt aber, was ich beim iPhone immer vermisst habe:

  • die Möglichkeit, die inzwischen auch schon sieben Bildschirme weiter an meine Vorstellungen anzupassen, als es das schwarze Billy-Regal im Hintergrund des iPhone erlaubte.
  • Widgets – Widgets!
  • Ein home screen, der mir auf einen Blick die Informationen des Tages gibt: Datum, Uhrzeit, Wetter, Kalendereinträge.
  • Technisch spannende Apps; der Android Market hat eine erheblich lässigere Zulassungspolitik als der App Store von Apple, weshalb ich z.B.gerade eine Anwendung namens Locale entdecke, die je nach Uhrzeit oder Standort des Telefons WLAN ein- oder ausschaltet, die Klingeltöne stummschaltet und was nicht noch alles.
  • Anständige Batterie-Lebensdauer, die auch meinem Spieltrieb der ersten Tage standhält
  • All die Apps, die mir auf dem iPhone wirklich wichtig waren, gibt es auch in einer Android-Fassung – z.T. sogar besser (z.T. aber auch weniger gut. Nun ja…).

Und dabei kommt es mir – wäre vor vier Jahren auch noch anders gewesen – gar nicht so sehr drauf an, wie sehr das iPhone OS in den Krallen von Apple feststeckt, und wie offen das Linux-basierende Android nun wirklich ist. Ist es im Zweifelsfall auch gar nicht –  bei Mobiltelefonen kommt es so sehr auf Hardware-Abstimmung und Performance-Optimierung an, dass ein offenes Standard-Linux ohnehin nicht wirklich brauchbar wäre.

Tscha. Und da sitze ich jetzt mit meinem iPhone und dem teuren T-Mobile-Vertrag, der noch bis nächsten August läuft. Und würde doch gerne den Hero behalten und weiternutzen. Aus Fanboy wird Spielkind.