Unklare Aussichten

Unklare Aussichten (Symbolbild)

Unklare Aussichten

So ist das also. Trotz allgemeiner Antriebslosigkeit revidiert der Mensch seinen Rückzug aus der Blogosphäre. Er baut sich schnell ein neues Blog mit neuen Aussichten und fängt an, Beiträge rauszuhauen wie nichts gutes. Die aber liest vorerst niemand, weil der Domaintransfer irgendwo zwischen Berlin und Karlsruhe hängt (willkommen im 21. Jahrhundert!).

Schnief…

Zwischendurch fängt sich der Mensch eine saftige Erkältung ein, die er aber zwei Tage nicht wahrhaben will, weshalb er zwei Tage lang seinen Kollegen die Ohren weghustet. Am dritten Tag bleibt der Mensch endlich im Bett, guckt sich die Blogbaustelle an und stellt fest, dass es sehr monothematisch hier zugeht. Trump, Trump, Trump.

Wird Zeit, dass ich auch mal wieder was anderes lese. Klemperers „LTI“ (Lingua Tertii Imperii – Amazon-Link), meine derzeitige Lektüre am Krankenlager, bringt mich aber leider auch nicht auf andere Gedanken. Denn während er die Sprache der Nazis und ihre Wirkung in der Propaganda des sog. dritten Reiches analysiert, erleben wir mit, wie durch das Erfinden alternativer Fakten versucht wird, ebenfalls Propaganda zu machen.

(Zu blöd, dass ich den Klemperer als Paperback lese – daraus zitiert es sich so schwer mit Copy&Paste…)

Ihre Wirkung konnte die LTI unter anderem deshalb entfalten, weil Massenkommunikation damals, in den dreißiger Jahren, einerseits noch eine Sache der relativ Wenigen war. Andererseits „schaltete“ das Ministerium des Dr. G. diese Medien zumindest innerhalb Deutschlands „gleich“ (eines der Beispiele für LTI, die Klemperer anführt).

Was mich derzeit etwas unruhig schlafen lässt (neben dem dauernden Hustenreiz und der verschnupften Nase), ist, dass die Trump-Mannschaft gerade genau das gleiche versucht. Und ich kann nur hoffen, dass das journalistische Ethos, das ich bei meinen amerikanischen Kollegen während meiner acht Jahre in Washington kennen und respektieren gelernt habe, nicht 14 Jahre später, einmal unter Druck gesetzt, schlagartig (LTI!) durch den Kamin geht.

Fazit: Ich komme von dem Monothema nicht so leicht wieder weg, wie’s aussieht.

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