Konstantin Klein 2017

Von einem, der auszog, das Internet vollzuschreiben

Umzug für zwei?

Kater blickt in die Zukunft

Kater blickt in die Zukunft

Natürlich versteht mich Marlon aufs Wort. Das beweist mir täglich sein fassungsloser Blick und das nahezu unmerkliche Kopfschütteln, wenn ich meinem Kater wieder etwas offenbar unsagbar Doofes gesagt habe. Katzen sind intelligent. Trotzdem ist ihm nicht ganz klar, was auf uns, auf ihn und mich zukommt. Kein Wunder, mir ist es selbst nicht klar.

Tatsache ist: In der ersten Aprilwoche verlasse ich Berlin. Vielleicht nicht für immer, aber doch für die nächsten Jahre. Mit dem Arbeitgeber ist alles besprochen, seit gestern ist der Mietvertrag für die neue Wohnung unterschrieben. Die Kinder sind aus dem Haus, die zweite Ehe gerade geräuschvoll gescheitert, übrig sind Marlon und ich.

Marlon kam 2005, im Alter von drei Jahren zu uns. Seine Vor-Familie war in eine Etagenwohnung gezogen, und der Kater war (und ist) ein Freigänger und mit der Etage nicht zurechtgekommen. Wir hatten eine Wohnung mit Gartenzugang, und als ich vor auch schon wieder vier Jahren beim ersten Knirschen im Ehegebälk eine neue Wohnung suchte, suchte und fand ich wieder eine mit Zugang ins Freie (siehe Bild). Marlon ist inzwischen ein älterer Herr (wie ich), aber (anders als ich) immer noch viel unterwegs – und sei es, um von jüngeren Nachbarskatzen eine auf die Mütze zu bekommen. (Darüber redet er eher ungern.)

Problem: Erster Stock

Eine Wohnung in der neuen Stadt (was soll die Geheimnistuerei: Es ist Bonn, wo mein bisheriger und künftiger Arbeitgeber seinen Hauptsitz hat) zu finden, war nicht so schwer, wie ich dachte. Eine Wohnung im Erdgeschoss und gar mit Gartenzugang zu finden – das war dagegen in der kurzen Zeit nicht drin. Also: erster Stock mit eher durchschnittlich großem Balkon, allerdings schöner Aussicht und ruhiger Lage.

Der Vermieter hat nichts gegen eine Katze in der Wohnung, weiß aber, was Katzen mit Tapeten und Möbeln anstellen können, wenn ihnen etwas nicht passt. Und ich weiß es auch.

Und deshalb denke ich seit Tagen nach. Kann ich dem Katertier, der schon kurze Autofahrten hasst, den Umzug quer durch die Republik mit einem Ziel im ersten Stock zumuten? Soll ich meinem vierbeinigen Vertrauten lieber ein neues, ebenerdiges Zuhause in Berlin suchen – und ohne ihn nach Bonn ziehen, in eine Wohnung, in der er neun bis zehn Stunden pro Tag alleine wäre? Was ist schlimmer für eine Katze: eine neue Umgebung – oder ein neuer Dosenöffner und Ansprechpartner?

Liebes Internet, du weißt doch alles. Was meinst du zu der Sache? Wenn ich den Kater frage, sagt er immer nur „Mao“. Und schüttelt nahezu unmerklich den Kopf.

11 Kommentare

  1. Normalerweise würde ich der gewohnten Umgebung den Vorzug geben. Aber das ist in eurem Fall ja gar nicht die Alternative. Da geht es ja um alles neu vs. Umzug zumindest mit dem gewohnten Personal!

    Aufgrund des Alters würde ich ihn da wohl eher mitnehmen. Allerdings hatte ich noch keine Freigänger und weiß nicht, ob du ihm einen Balkon als Alternative zumuten kannst. Das scheint mir die wichtigere Frage zu sein.

    Mir wurde hier bisher immer sehr nett geholfen und da treiben sich Experten zu allen Themen rum: http://www.katzen-forum.de/

    Ich wünsche dir viel Kraft für die richtige Entscheidung!

    • Gerade ist er wieder rausgewetzt und tourt schon wieder durch die Nachbarschaft. Balkon wäre sicher nicht leicht für ihn.

      Das schöne an diesem Internet ist, dass wirklich über alle möglichen Kanäle gute Ratschläge auf mich einprasseln – incl. einem Angebot, gleich ein neues Zuhause für Marlon zu finden. Hier in Berlin, ganz in der Nachbarschaft.

      Wir werden sehen. Marlon lässt grüßen (schon wieder reingekommen – wahrscheinlich zu kalt draußen).

  2. Lieber Konstantin, ich sage Dir gleich, dass ich eine Null bin mit Face Book, weiß garnicht, ob Du diese Nachricht aus Rom bekommen wirst, aber ich habe momentan 3 Katzen in Rom. 2 davon haben es gelernt, in den großen Garten zu gehen, vom 3. Stock, nur wenn es ihnen klimatisch passt. Wenn sie vom Garten, vom Klettern usw . Genug haben , warten sie von wo ich sie wieder nach Hause holen kann. Einer will nur mit dem Lift kommen, der andere zu Fuß die Treppe hinauf. Sie sind beide über 10 Jahre alt und wir haben sie als kleine Tierchen von der Straße aufgelesen. Sie lieben uns Menschen sehr und haben sich an unsere Gewohnheiten angepasst .
    Ich würde Marlon eine Chance geben, und ihn nicht von seinem Herrchen trennen. wenn Du aber in Deiner Nachbarschaft in Berlin jemand
    Kennst und traust, und Dich von Marlon trennen kannst, lass ihn in seiner gewohnten Umgebung!
    Einen herzliche Gruß
    Deine alte Cousine

    • Liebe Gabriella,

      also: die Nachricht aus Rom ist angekommen (vielleicht, weil Du zwar aus Facebook von dem Drama erfahren hast, Deine Nachricht aber über meine Seite verschickt hast). Die Idee, den Kater über das Treppenhaus ins Freie zu lassen und auf dem gleichen Weg wieder in die Wohnung zu holen, war mir noch gar nicht gekommen. Sie setzt allerdings eine kooperierende Katze voraus. Ich möchte jedenfalls nicht jeden Tag hinter dem Kater durch die Nachbarschaft galoppieren, nur weil ich den Laden für heute zumachen will, Monsieur aber noch draußen bleiben will…

      Ich denke weiter drüber nach. Liebe Grüße nach Rom!

      • Kooperieren heißt etwas Geduld deinerseits und von Marlon wissen,dass er von Dir, möglichst an einer vereinbarten Zeit, eine sehr gute Mahlzeit bekommt. Katzten sind sehr intelligent und treu. Ich bin sicher, dass Du eine gute Lösung für Marlon und für Dich finden wirst.
        Lass mich wissen!
        Ps. Ich habe eine Katze auch mit nach Japan genommen. Sie musste ausser allem Neuen, auch japanisch lernen!
        Herzlichst
        Gabriella

        • Da wird es schon schwierig: Egal, was ich ihm serviere, nie ist eine Mahlzeit auf Anhieb gut genug für Monsieur Le Chat. Er handelt meist nach dem Motto „Der Hunger treibt’s rein“.

          Und japanisch? Immerhin kann er schon etwas chinesisch. Schließlich verweist er mich immer auf den großen Vorsitzenden „Mao“. (Als ob das was nützte…)

  3. Hallo Konstantin,

    als ich in Bremerhaven wohne, habe ich mir eine Katze zugelegt. Es war ein Freigänger. Dann kam der Umzug nach Berlin, 4. Stock, HH. Es war eine Katastrophe. Nach einem Jahr bin ich in eine Erdgeschosswohnung gezogen. Und schon hatte ich wieder einen lieben Kater.

    Grüße aus Britz
    Gabriele Kantel

    • Sowas befürchte ich eben auch. Und dass ich nach einem Einbruchsversuch vor zwei Wochen Parterrewohnungen eher kritisch gegenüber stehe, ist dem Kater natürlich wurscht.

  4. Lieber Konstantin,ich habe bereits aus einem Outdoormodell ein Indoormodell gemacht und umgekehrt. Wenn ich die Story lese,dann gibt es eigentlich nur eins: „Er gehört zu Dir,wie Deine Name an der Tür.“
    In Bonn werdet Ihr beide sehen,wie Ihr Euch arrangiert. Eine nette, fürsorgliche Nachbarin findet sich immer,die den Bazi während Deiner Dienstreisen betreut…indoor oder outdoor,das wird er Dir dann schon sagen. Lass ihn nicht im Stich…in Bonn lässt Du ihn 2-3 Wochen nicht aus der Wohnung-er wird Dich in den Wahnsinn treiben,es ist schliesslich Frühling…Du wirst ein Betz über den Balkon spannen und nach drei Wochen mit ihm raus in den Garten.Wr wird Dir ausbüchsen und nach einer Stunde wieder da sein-wenn Du da mit Deiner Zeitung noch sitzt und ihn rufst. Das machste 3x,ab dann habt Ihr einen Deal.Er geht morgens raus und wartet dann,bis er wieder reingelassen wird.Ein Körbchen unter der Treppe wird er schätzen,falls Du nicht zuhause arbeitest…so wird es gehen.So ein Kater ist ein Freund fürs Leben…

    • Oh ja, vielen Dank für den Rosenberg-Ohrwurm. Den werde ich jetzt den ganzen Tag nicht mehr los…

      Am Wochenende machen der Kater und ich mal eine Etagenwohnungs-Simulation: Auf die Loggia darf er, in den Garten nicht. Mal sehen, wie das funktioniert. (Nicht gut, wahrscheinlich.)

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