Umdenkmal

We the Net People
We the Net People

Es wird Zeit, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Es wird Zeit, anzuerkennen, dass wir, was die Sicherheit unserer Daten angeht, nahezu niemand vertrauen können; und weil das Wort „nahezu“ zwar eine faire Herangehensweise suggeriert, letztlich aber nur Unschärfe in den Gedankengang bringt, wird es Zeit, uns klarzumachen:

Was die Sicherheit unserer Daten angeht, können wir niemand vertrauen. Außer uns selbst (hoffentlich).

OK. Google (bei „OK, Google“ horcht mein Handy auf) gilt, „Don’t be evil“ hin oder her, als Inkarnation der Datenkrake – was unfair gegenüber den Kraken ist. Wir wissen und bekommen es von interessierter Seite auch immer wieder unter die Nase gerieben, wie Google Daten unseres Verhaltens, unserer Vorlieben und unserer Interessen sammelt und daraus verwertbare Profile baut.

Wir wissen – auch wenn (oft die gleichen) interessierte Seiten uns das gerne vergessen machen würden -, dass außer Kontrolle geratene Geheimdienste unsere Daten abgreifen, wo sie nur können, und gleichzeitig versuchen, Politik und Industrie zu beeinflussen, die Entwicklung und Einführung von Technologien, die das Abgreifen verhindern oder sinnlos machen können, zu verbieten.

Und während wir (naja, ich) „Eikonal“ bis vor ein paar Wochen für ein billiges Kopfschmerzmittel gehalten hätten, wissen wir inzwischen, dass auch deutsche Behörden fleißig Daten ermittelt und eifrig an die Bundesgenossen weitergegeben haben – so eifrig, dass die Bundesgenossen von sich aus die Bremse zogen. Und so intensiv, dass (Achtung, ein Lobolink!) von bewusstem Verfassungsbruch die Rede ist:

„Eikonal“ bedeutet, aus dem Kanzleramt heraus den Bock mit einem Flammenwerferangriff auf den Garten zu beauftragen.

Ich gebe zu: Ich habe in den letzten Wochen zu den neuen Erkenntnissen geschwiegen. Buchstäblich sprachlos. Obwohl genau das in den letzten Monaten zu meinem Thema, zum Thema von immer mehr Einträgen auf diesen Seiten geworden ist.

Machen wir uns klar: Es gibt keinen sicheren Hafen für unsere Daten. Es nützt nichts, unsere Daten unter den Schutz bundesdeutscher (oder auch anderer) Datenschutzgesetze zu stellen, wenn auf staatlicher Seite kein Interesse besteht, unsere Daten zu schützen. Es nützt deshalb nur bedingt (sorry, Posteo.de, sorry, Mailbox.org, sorry, Ihr alle, die Ihr auf das Gewäsch von De-Mail oder „E-Mail made in Germany“ hereingefallen seid), die eigenen Daten über deutsche Server von deutschen Anbietern laufen zu lassen. Und auch die Speicherung von Daten unter eigener Kontrolle (Owncloud, anyone?) bringt nur dann was, wenn sie tatsächlich auf eigener Hardware stattfindet.

Was den Datenkraken staatlicher wie kommerzieller Machart noch am meisten Angst einjagt, ist Verschlüsselung, also das, wovon der fachlich durchaus befähigte Nachbar sagt: Benutzerfreundlich geht anders. Dabei bezieht er sich allerdingsbums auf das klassische Feld der Daten- und Mail-Verschlüsselung; andere Kommunikationskanäle wie die Textnachrichtenapp TextSecure erleichtern die Verschlüsselung durchaus – was zu einer Fragmentierung der Kommunikation (hier Mail, da Textsecure, dort Threema, und ganz dahinten Merkels Kryptophone) führen wird, sie (die Kommunikation) aber auch sicherer machen kann.

Das zweite, das den Kraken Angst einjagen sollte, ist dagegen Datensparsamkeit – der bewusste Umgang mit Daten. Dazu gehört, nicht jeden Mist ins Netz gelangen zu lassen, dazu gehört, persönliche Daten, die man aus dem einen oder anderen Grund mit dem Netz verknüpfen will, nicht über nur einen Dienst (und damit einen zentralen Punkt zum Abgreifen) laufen zu lassen, und dazu gehört leider auch, Datenschutzregeln durchzulesen und Datenschutzeinstellungen manuell und sorgfältig zu bearbeiten.

Wir können uns auf niemand verlassen außer uns selbst. Und auch das geht nur, wenn wir informiert und bewusst an die Sache herangehen. Als emanzipierte Bürger der Emanzipationsgesellschaft.

Womit ich das Thema für die weitere Arbeit auf diesen Seiten gesetzt hätte.

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