Kopf-§$’&@*!!

Sonntagnachmittag. Draußen strahlende Frühlingssonne, die Nachbarskinder spielen Fußball, und die älteren Mitbewohner klopfen ihren Gärten den Winter aus den Zweigen.

Jedenfalls nehme ich das an. Das mit der Sonne habe ich mir vom morgendlichen Blick aus dem Fenster gemerkt, die spielenden Kinder höre ich durch das fest verschlossene Fenster, und die Nachbarn im Garten stelle ich mir einfach vor. Sehen kann ich sie nicht, denn seit dem späten Vormittag sind bei mir alle Vorhänge zu, und wenn’s geht, die Augen auch.

Ein Migräne-Anfall. Vielen Dank auch.

Früher, als ich noch glaubte, die kerngesunden Zähne meiner Großmutter geerbt zu haben (also die Gesundheit, nicht die Beißerchen selbst), und als Heuschnupfen noch ein PAL war, dachte ich auch, Migräne sei vor allem etwas für hysterische Frauen. Bis mich nach einem dieser unerklärlichen Kopfschmerzanfälle jemand zu einem sogenannten „Migräne-Papst“ schickte, einem Arzt, der mir erklärte, dass Migräne auch Männer, ob hysterisch oder nicht, beträfe, und dass ich einer dieser Männer sei.

Und jetzt tigere ich schon wieder seit Stunden durch die abgedunkelte Wohnung und warte, dass der Anfall vorbeigeht. Überhaupt macht Migräne den Menschen zum Tier – zu einem leidenden. Als Hauskatze säße ich jetzt mit dem Gesicht zur Wand unterm Sofa, als Fuchs oder Bär hätte ich mich in eine dunkle Ecke des Baus bzw. der Höhle verzogen, und in jedem Fall würde ich auf Kontaktversuche nur mit Knurren reagieren.

Das Blöde an Migräne ist: Es gibt kein wirklich wirksames Mittel dagegen (obwohl man mit machen Mitteln zumindest funktionsfähig bleibt, wenn auch keineswegs froh). Es gibt nur die Möglichkeit, abzuwarten, bis der Anfall vorbeigeht – und in dieser Zeit evtl. mit zusammengekniffenen Augen einen Blogeintrag darüber zu schreiben. Was mit einem nahezu funktionsunfähigen Kopf gar nicht so einfach ist.

Mein Tipp an Leidensgenossen: rechtzeitig bei den allerersten Anzeichen eines Anfalls Kopfschmerzmittel nehmen – das hält den Anfall bei mir in erträglichen Grenzen; den Zeitpunkt habe ich heute allerdings elegant verpasst. Und dann aufrecht in einer dunklen Ecke stehen und abwarten – keinesfalls hinlegen! Das sorgt zumindest bei mir für sofortiges, andiedeckegehenhaftes Schmerzgefühl. Musik – nein. Gespräche – nein. Geduld – ja, bitte.

Nee, Migräne würde ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen. Obwohl, doch – dem wünsche ich das. Und wie!

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