Über das Schweigen nach der Wahl

Es hängt ein merkwürdiges, fast bedrohliches Schweigen über diesen Seiten am Tag, nachdem die Republik schwarz-gelb geworden war.

Anderswo bejubelt man Siege, bejammert den Niedergang des (sozialdemokratischen) Abendlandes oder macht sich über Westerwelle lustig, weil er kein Englisch kann. Und hier? Verbissenes Schweigen.

OK. Einen Außenminister, der keine Fremdsprachen kann, hatten wir schon mal; er war lustigerweise auch von der FDP, lernte dann fleißig Englisch und machte seinen Job dann immerhin so gut, dass er ihn fast 18 Jahre behielt.

Und dass die SPD an ihrem Schicksal nicht ganz unschuldig ist, bestreitet ja selbst in der SPD keiner, der seine Sinne noch beisammen hat.

Nee, das Schweigen hat einen anderen Grund: Zahnschmertzen (nur echt mit tz und dem doppelten Die-Wände-hoch-Faktor!) und ein mehrstündiger Zahnarztbesuch, bei dem ich wiederholte Fluchtversuche unternahm, einmal beinahe umkippte und der Zahnarzt eine angefangene Wurzelkanalbehandlung wg. Sinnlosigkeit abbrach.

Und doch nehme ich fast jedes Mal, dass ich vom „Zahnarsch“ getwittert habe, zurück (Ausnahme: die Tweets, mit denen ich den Vorgänger des jetzigen Arztes gemeint habe, dessen Fehlleistungen mein jetziger Zahnarzt zu reparieren hat).

Seltsam. Es war eine Mördersitzung, mir tut die Fresse auch sechs Stunden später noch so weh, dass ich lieber schreibe als schlafe, und doch möchte ich mich beim Personal der heutigen Quälerei bedanken – fürs Gelassenbleiben, für detaillierte Auskünfte dort, wo ich sie haben will, für die Anästhesie, die einen Elefanten stillgelegt hätte (nur leider die entzündete Wurzel nicht!), und für die Aussicht, bald wieder schmerzfrei, dafür um einen Zahn ärmer und ein zwei Implantate wertvoller durchs Leben schnüren zu können.

Eine seltsame Welt, in der ich Westerwelle in Schutz nehme und mich bei Zahnärzten bedanke. Und alles nur wegen der Wahl?