Twittern lernen

Nun ist folgende Grafik also – nach einer langen Rundreise durch Groß- und Klein-Bloggersdorf – schließlich auch hier gelandet:

The 5 Stages of Twitter Acceptance
The 5 Stages of Twitter Acceptance

Die fünf Stadien, die der Mensch vom Ignoramus zum Twitterato (sing. von Twitterati) durchläuft. Grinsend habe ich die Liste von Rohit Bhargava dort und hier auftauchen sehen und mich selbst irgendwo zwischen 2 und 4 (unter Auslassung von Stufe 3: Posts automatisch twittern – wer macht denn sowas?) eingeordnet. Die eine oder andere authentische und sogar hilfreiche Unterhalten hatte ich schon über Twitter, zuletzt, als ich hier Datenbank-Zeichensatz-Probleme wälzte. Aber nur useful stuff zu posten, wird mir wohl niemand unterstellen.

Und schon – und überhaupt nicht etwa, weil Weihnachten vor der Tür steht und den Weg versperrt – komme ich ins Nachdenken. Ich kenne Leute in allen Stadien (mit Ausnahme von Stufe 3 – s.o.), und den meisten geht es so wie mir: Ich habe, als ich meinen Account eröffnete, in Twitter eine Kommunikationsplattform bekommen, die ich nicht brauchte.

Das unterscheidet Twitter von allen Plattformen (doofes Wort), die ich bisher kennenlernte und heute noch nutze oder auch nicht. Sogar das Bloggen, das für sehr viele zweckfrei anfängt und für viele zweckfrei bleibt, war für mich von Anfang an Mittel zum Zweck (der Selbstvermarktung als freier Journalist nämlich), von Foren, E-Mail, Handy, SMS, Fax, Telefon, Brief/Postkarte ganz zu schweigen.

Immer hatte ich sofort oder sogar schon vorher einen use case, eine konkrete Anwendung für die jeweilige Art der Kommunikation. Nicht so bei Twitter (und allen anderen Formen des Microblogging, für die das natürlich ganz genauso gilt).

Hier ist es eher so, dass die Frühtwitterer der Welt eine Sprache zur Verfügung gestellt bekamen und selbst herausfinden mussten, aber auch durften, wozu sie diese Sprache nutzen. Die Kürze der Nachrichten machte die Adaption der Sprache (OK, sagen wir wieder „Plattform“) leichter, die Tatsache, dass sie auf Maschinen stattfindet, machte sie potentiell maschinenlesbar, die Kombination aus Echtzeit- und zeitsouveräner Anwendung machte aus Twitter & Co. einen kombinierten Briefkasten, Anrufbeantworter, Konferenzraum, wasauchimmer.

Und es muss auch gesagt werden: Anders als beim Aufkommen der Bloggeria sind mir diesmal keine Besserwisser aufgefallen, die definierten und diktierten, wie man Twitter zu nutzen hat.

Nutzerbeispiel: Ich nutze Twitter als Großraumsimulation zum Druckablassen bei der Arbeit oder unterwegs, zur Kommunikation mit meinem maschinellen GTD-Dienst, zur schnellen Kurzkommunikation mit Freunden und Bekannten und zum Verfolgen aktueller Nachrichten. Beispiele für weitere, vielleicht noch wenig bekannte Arten der Nutzung werden gerne entgegengenommen.

Ein Werkzeug, das sich als flexibel genug erweist, dass jeder Nutzer daraus machen kann, was er will. Als Herausforderung und Chance nicht so groß wie Sprechen lernen, aber wirklich spannend. Twittern lernen.

Und für alle, die sich noch und vielleicht für immer auf Stufe 1 wiederfinden: Twittern ist, wie vieles, nicht Pflicht. Auch tröstlich.