Tor in a Box

WIRED berichtet, dass ein KickStarter-Projekt es uns künftig leichter machen soll, via Tor anonym im Netz unterwegs zu sein. anonabox (KickStarter-Link) soll ein kleiner Router sein, der lokale Verbindungen via WLAN oder Ethernet annimmt und ganz ohne Konfigurationsgefrickel über das Tor-Netzwerk ins Netz weiterleitet.

Schön, ABER… Das Prinzip Tor beruht darauf, Verbindungen über eine Reihe von Zwiebelschalen Proxies zu leiten, die jeweils nur den vorherigen und den nächsten Proxy kennen (also mit Ausnahme des erstens Proxies nicht wissen können, woher die Anfrage kommt) und schließlich über einen dieser Proxy-Server ins Netz, wie wir alle es kennen, zu lassen. Dolles Prinzip, wenn nur nicht FBI, CIA und NSA (und alle anderen Geheimdienste dieser geplagten Welt) ebenso Tor-Proxies betreiben könnten wie jeder andere – und es wahrscheinlich auch tun. Auch diese Anonymität ist also immer nur relativ.

Update, drei Tage später: Es stellt sich heraus, dass die Idee hinter dem Projekt nicht absolut sauber ist: Die Hardware gibt es auch anderswo (ist also nicht, wie behauptet, selbst entwickelt), und sie ist dort billiger.

Update, drei Stunden später: Inzwischen hat auch WIRED die Sache neu untersucht und berichtet nun, dass auch die Software, sagen wir: Anlass zu Zweifeln gibt.

Update, weitere zwei Tage später: Das war’s dann – KickStarter beendet die Anonabox-Sammlung.

Oh well – bleibt uns immer noch die Möglichkeit, Tor entweder selbst zu installieren (Frickel!) oder den Tor Browser zu nutzen – wobei auch der schon seine Geschichte der Irrungen hinter sich hat (eine frühere Version beruhte auf einer unsicheren Version des Firefox).

2 Gedanken zu „Tor in a Box“

  1. Wurde Tor nicht auch unter anderem für das umgehen von Zensur gebaut? Finde es deshalb fraglich das so viele Leute das Gefühl haben sie müssen Gratis Tor Benutzen. Schon fast dreisst.

    • Wie bei allen Projekten, die dem Open-Source-Gedanken folgen, steht die Benutzung natürlich jedem frei, und eine Beurteilung nach dem beabsichtigten Verwendungszweck gibt es nicht. Das wird von interessierter Seite gerne dazu genutzt, Tor-Benutzer als außerhalb des Gesetzes stehend zu diffamieren (zumal die Technik ja auch von denen genutzt werden kann und wird, die sich tatsächlich außerhalb des Gesetzes bewegen).

      Mit dem Gesetz ist es aber so eine Sache. Auch Zensur ist in Ländern, die sie routinemäßig betreiben, gesetzlich verankert, und wer sie zu umgehen versucht, stellt sich außerhalb des Gesetzes – nur dass wir in Ländern, in denen Zensur nicht stattfindet (Art. 5 GG, zum Beispiel), dieses Vorgehen als legitim ansehen.

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