The Year of the Cloud

(Die unerschrockenen unter den bluelectric-Lesern, die auch die hier zwischenzeitlich ausgebrochene englische Phase im 1. Quartal dieses Jahres durchgestanden haben, dürfen diesen Eintrag überspringen. Für sie steht nur wenig Neues drin.)

Der Mensch liest ja viel, wenn der Tag lang und der Mensch nicht ausreichend beschäftigt ist. Über die cloud, also jenes Phänomen, das die Auslagerung des professional und zunehmend auch des personal computing aus der eigenen Hardware hinaus auf nicht näher definierte Kapazitäten im Netz… was wollte ich gerade nochmal schreiben? Ach ja…

Hatte ich mir also zu Beginn des Jahres überlegt, 2010 zu meinem persönlichen Year of the Cloud zu machen. Und was soll ich sagen? Im Zeitalter von UMTS und Daten-Flatrates funktioniert das ausgezeichnet. Im Grunde gibt es nur noch drei informationsbezogene Dinge, die ich ausschließlich an meinem bzw. über meinen treuen Mac betreibe:

  • Fotos verwalte und bearbeite ich noch lokal, mit GIMP und Picasa (und ab und zu dem Pixelmator, wenn ich den vollen GIMP nicht brauche). Picasa, denn das Apple-eigene iPhoto habe ich inzwischen de-installiert; das Ding wurde einfach zu schwerfällig.
  • Meine Musik steckt nun mal in iTunes, und deshalb betreibe ich eine iTunes-Filiale auf dem heimischen Rechner.
  • Entwicklungsarbeiten, also PHP-Gefrickel und so’n Zeugs, mache ich in einer komfortablen MAMP-Installation. Ich muss mit einem groben Fehler ja nicht gleich ganze Server da draußen lahmlegen…
Tscha. Alles andere – in the cloud. Speziell das aktuelle Familien-Projekt bietet sich dafür geradezu an, da die dort hin- und hergeschobenen Datenmengen inzwischen selbst duldsame GMail-Boxen an die Grenze ihrer Duldsamkeit bringen. Mit einem inzwischen auf über 50 GB erweiterten Dropbox-Account (Referral-Link!) und den Dropbox-Clients finden meine Daten (soweit sie nicht Musik und Fotos umfassen – s.o.) sich jetzt nahezu gleichzeitig auf meinen beiden (Haupt-)Rechnern und im Netz wieder – was, zusätzlich zu der an den Mac angeschlossenen Time Machine, endlich mal ein ausreichendes Maß an Backup-Sicherheit darstellen sollte.

Ich gebe aber auch zu: Als altgedientem User von netzbasierten PIM-Lösungen (zunächst GMail & Co., dann Apples MobileMe-Dienst, jetzt wieder Google) ist mir eine derartige Arbeitsweise nicht von vorneherein fremd. Aber im Jahr 2010, nach Jahren der Entwicklung solcher Online-Office-Angebote, stelle ich sogar fest, dass ich die lokalen Installationen von MS Office bzw. OpenOffice im Grunde nur noch aus Versehen hochfahre. Für die Ansprüche eines Privatmenschen reichen Google Docs und seine Mitbewerber völlig aus.

Und die Datensicherheit?

Richtig. Wirklich sensible Daten gehören nicht ungesichert in die cloud. Dafür gibt es schließlich Verschlüsselungssoftware; wenn’s wirklich kritisch ist, nutze ich GnuPG, verschlüssele den Kram und packe ihn eben erst dann auf den Server. Ich gebe zu, dass ist der Punkt, an dem die Sache für eine Oma Kasulke doch erheblich komplizierter wird, als alle Dateien in „My Documents“ anzuhäufeln. Die cloud erfordert schon ein wenig Nachdenken und Wissen – aber dramatisch ist es nicht.

Der Versuch geht bis Ende des Jahres – bzw. wenn er sich so fortsetzt, wie er in den ersten Monaten begonnen hat, wird aus dem Versuch ganz rasch mein persönlicher Regelbetrieb.

Und bevor evtl. hier mitlesende Kollegen und Vorgesetzte nach dem Arzt rufen (das Herz, das Herz!): Was ich hier beschrieben habe, bezieht sich natürlich auf mein Personal Computing. Dienstliche Daten liegen dort, wo sie liegen sollen: auf Netzlaufwerken im stark gesicherten Hausnetz meines Arbeitsgebers.