The Switch (Back), Folge 4

Der Trend geht zum Parallel-Universum. Die selbstgestellte Aufgabe: die hochintegrierte Umgebung einer Mac-OSX-iPhone-Landschaft so weitgehend wie möglich mit offenen Komponenten nachzubauen. Was nicht immer leicht ist. Ein weiterer Bericht.

Folge 4: Bildlich gesprochen

Eins vorweg: Ich bin Knipser. Ich fotografiere mit mehr oder weniger geeigneten Geräten fröhlich und ohne groß nachzudenken in der Gegend herum, und wenn mir, was selten der Fall ist, ein Foto gelingt, ernenne ich es sofort zu meinem wallpaper du jour, bis es mir – meistens rasch – auf die Nerven geht.

Und weil es so ist, dass ich mir über mein fotografisches Talent keine Illusionen mache, habe ich schon auf dem Mac nicht groß Geld für Bildverwaltung und -bearbeitung ausgegeben. Stattdessen benützte ich den mir aus meiner ersten Linuxphase wohlbekannten GIMP zur Bildbearbeitung und das auf meinem MacBook vorinstallierte iPhoto zur Bildverwaltung. Obwohl…

Irgendwann kam mir Pixelmator unter die Finger, ein OSX-Bildbearbeiter for the rest of us, womit die Macher dieses kommerziellen Programms ziemlich deutlich darauf anspielen, dass Photoshop für die ungewaschenen Massen (zu denen ich mich in diesem Fall zähle) zu teuer und zu mächtig ist. Ich habe den Pixelmator schwer im Verdacht, nichts anderes als ein schick angezogener, in Sachen usability verbesserter und in die OSX-Landschaft gut integrierter Bruder des GIMP zu sein. Aufbau und Funktionsweise beider Programme sind sehr ähnlich – und doch fühlte ich mich mit Pixelmator wohler.

Was die Bildverwaltung angeht… Ich bin wohl, wenn ich nach dem gehe, was ich im Netz dazu lese, nicht der einzige, der irgendwann über iPhoto und seine Langsamkeit zu meckern anfing. Also ging ich hin und holte mir Picasa von Google – eine Bildverwaltung mit eingebauten Editier- und vielen anderen Funktionen, die ich bis heute nicht restlos verstanden habe. Aber ich komme damit zurecht, und sie bleibt mir bisher nicht hängen.

So. Und wie kann ich die OSX-Kombi Picasa/Pixelmator jetzt in der Linux-Hälfte meines Universums nachbauen?

Ubuntu bringt seit einiger Zeit das GNOME-Programm F-Spot zur Bilderverwaltung mit. Das ist ein eher einfaches Tool mit einigen wenigen Funktionen zur Bearbeitung von Bild und Metadaten. Sollte für einen Hobbyknipser wie mich eigentlich reichen. Denn für anspruchsvollere Aufgaben der Bildbearbeitung habe ich ja nach wie vor den GIMP, der zwar seit dem Erscheinen der aktuellen Version Lucid Lynx nicht mehr zum Standard-Lieferumfang von Ubuntu gehört, aber natürlich nachinstalliert werden kann – und bei mir auch sofort wird. Und trotzdem fühle ich mich – wahrscheinlich ist es das Spielkind in mir – mit F-Spot ein wenig unterversorgt.

Nun hatte ich ja schon auf dem Mac die hauseigene Bildverwaltung iPhoto durch Picasa aus dem Hause Google ersetzt und war mit ihr sehr zufrieden. Also wird es doch auch eine Linux-Version von Picasa geben, oder?

Ja – und nein. Zwar läuft Picasa in der Version 3 Beta auf meiner frischen Ubuntu-Kiste. Aber was da weitgehend aussieht wie die mir vom Mac her bekannte Software, ist eben keine Linux-Version, sondern die Windows-Version von Picasa, die im (mitgebrachten) Windows-Emulator Wine läuft. Das ist einerseits optisch unschön, weil Menueinträge und Dialogfenster überhaupt nicht zu den Systemeinstellungen passen und reichlich verhaut aussehen; andererseits aber ist Wine ein Projekt mit einer, sagen wir: bunten Geschichte; auch 17 Jahre nach dem Projektstart kann Wine längst nicht alle Windows-Programme reibungslos auf unixoiden Systemen betreiben. Ich habe es also beim Betrieb von Picasa mit einer unausgereift wirkenden Softwareschicht zu tun, die ich nicht will und auch nicht brauchte, wenn Google eine native Version von Picasa bereitstellen würde.

Hier besteht also noch Entscheidungsbedarf: Bleibt Picasa, reicht F-Spot, oder muss etwas anderes her? Ich weiß es noch nicht.

Eine Sache, die ich auf dem Mac sehr hilfreich fand, fehlt mir im Bereich „Bildbearbeitung“ übrigens sehr unter Linux: der Automator, mit dem man mit ein paar Mausklicks wunderbare Stapelverarbeitungen zusammenstellen konnte. Jetzt werde ich wohl meine Scriptkenntnisse wieder entstauben und massenhafte Formatänderungen und so’n Kram mit ImageMagick machen. Weil es geht. Weil es gehen muss.