The Race

Bis heute, wahrscheinlich auch noch bis morgen oder übermorgen, habe ich mich, Ostern hin oder her, dem EiPhone verweigert. Nicht Misstrauen gegenüber den Produkten aus dem Hause Apple hat mich dazu bewegt, auch nicht das Wissen, dass ein Telefon vor allem zum Telefonieren da sein soll; ich finde die Tarife schlicht zu teuer, die sich die Telekom dazu ausgedacht hat.

Also hatte ich mir das iPhone ohne Phone gekauft, den iPod Touch, und ihn als sehr nettes Surfbrett für unterwegs kennengelernt. Zum Telefonieren und um unterwegs auch ohne WLAN ins Netz zu gehen hatte ich mein treues Sony Ericsson, und gut war.

Bis letzte Woche. Seither habe ich ein Nobelhenndie aus dem Hause Nokia, hergestellt weder im Ruhrgebiet noch in Rumänien, sondern in Finnland (ja, ich habe sofort nachgeguckt!): das N95 8GB, Telefon, Surfstation, Musik- und Filmplayer und was nicht noch alles. Im Grunde ein iPhone plus (über das plus sprechen wir gleich). Und schon ist es Zeit für einen Vergleichstest. iPod Touch 16 GB ohne Jailbreak gegen Nokia N95 8GB!

Beide verbinden sich, so vorhanden, via WLAN mit dem Internetz. Ohne WLAN ist der iPod eben nur ein iPod; das Nokia kann auch UMTS und – anders als mein Datenflatrate-Anbieter – auch HSDPA (letzteres soll E-Plus aber in diesem Jahr auch noch lernen). Der iPod ist – mit zwei Ausnahmetasten – komplett über den Touchscreen zu steuern; das Nokia hat zwar einen großen, klaren Bildschirm, ist aber nur über die Navigationstasten sowie über die numerische Tastatur (Bildschirm nach oben schieben) bzw. die Steuertasten für den Medienplayer (Bildschirm nach unten schieben) zu steuern.

Vergleichstest 1Die Oberfläche: Da ist Apple nicht viel vorzumachen, also hat Nokia sich auf seine Symbian-Oberfläche S60 zurückgezogen. Erst beim Fotografieren ist mir jedoch aufgefallen, um wieviel strahlender der iPod strahlt. Bis dahin ist mir der Bildschirm des Nokia ebenfalls sehr hell und klar vorgekommen. So kann man sich täuschen.

Das Nokia hat zwei bis drei Menuebenen, durch die man sich durchklicken muss, um weniger populäre Programme zu erreichen. Für mich als erstmaligen Nutzer eines sogenannten smart phones (wer ist hier smart?) sind einige Funktionen schon sehr gut versteckt. Aber es ist schließlich Ostern. Den iPod habe ich schon länger, und deshalb kenne mich besser damit aus. Dennoch: Dieser Punkt geht deutlich nach Kalifornien.

In Sachen Messaging ist das Nokia als Telefon dem iPod als Nicht-iPhone naturgemäß voraus: SMS, MMS, Voice-Nachrichten gehören für Telefone eben zum Standard, für iPods nicht. Die Mail-Clients beider Geräte können mit meinem GMail-Account via IMAP perfekt umgehen; das Nokia hat dazu auch noch den Google-eigenen Java-Client bekommen, der den GMail-spezifischen Workflow mit conversations und labels noch besser unterstützt. Auf dem iPod  kann ich das gleiche über den eingebauten Safari betreiben.

Vergleichstest 3Stichwort Browser: Hier treten zwei Versionen des KHTML-Nachfolgers Webkit gegeneinander an: Apples Safari gegen die Nokia-Implementation von WebKit. Das Bild beweist es: der iPod touch schlägt das Nokia hier um Längen, weil Safari auf dem iPod einfach eleganter zoomt. Mehr ist dazu kaum zu sagen.

Nun kann das Nokia auch noch mit anderen Browsern arbeiten. Testweise hatte ich für einige Stunden Opera Mobile installiert; der Norwegerbrowser für smart phones nervte aber durch Abstürze (nanu?), und das Nokia-Betriebssystem nervte durch eine „Zurück“-Taste, die eben nicht die des Browsers war, sondern aus dem Opera-Fenster zurück ins Hauptmenu schaltete, Vielleicht sollte ich auch noch den Java-Browser Opera Mini ausprobieren, mit dem ich auf kleineren Henndie-Displays gute Erfahrungen gemacht hatte. Vielleicht aber auch nicht. Nur gut, dass der iPod so schlank ist – kann ich ihn eben zusätzlich zum eher knuffigen Nokia mitnehmen; bei vorhandenem WLAN habe ich dann die Wahl.

Ja, und jetzt zu den Feinheiten. Der iPod hat Zugang zu Apples ITMS, das Nokia hat Zugang zu einem Nokia-Musikladen. Da ich schon lange zufriedener Kunde von Apple bin, wird Nokia hier vorerst keinen Punkt machen können, und das N95 wird bis auf weiteres nicht mein primärer Musikquell. Mal sehen, wer zuerst Spielfilme anbietet – das Nokia kommt serienmäßig mit „Spiderman 3“, der iPod hat noch gar keine Filme.

Vergleichstest 2Und schließlich die Frage: Wo bin ich eigentlich? Der iPod beantwortet mir die Frage mit Google-Maps; mangels Verbindung in die Außenwelt muß ich aber meinen Aufenthaltsort schon kennen, bevor mir der iPod die Umgebung zeigt. Hier ist das Nokia klar im Vorteil: mit einem eingebauten GPS-Empfänger zeigt es mir – zumindest im Freien – an, wo ich wirklich bin. Der kleine Unterschied in der Anzeige (l.) besteht darin, dass Google meine Hausnummer auf der falschen Straßenseite ansiedelt, während das GPS-Modul des Nokia genau sieht, dass ich im Garten und damit schon ganz nah an der nächsten Straße stehe.

Und hier kommen wir zu den Features, mit denen das N95 den Punkterückstand gegenüber den iPod Touch nicht nur aufholt, sondern den iPod weit hinter sich lässt: Anständige 5-Megapixel-Kamera. Upload der gemachten Bilder im Hintergrund zu flickr. Ein Twitter-Client. Eine sehr viel üppigere Akku-Laufzeit. Ach ja, ein Telefon. Ein UMTS/Bluetooth-Modem für Laptop, Autonavi, Freisprecheinrichtung.

Vielleicht hätte ich ja doch ein iPhone…?

Och nö. Nehme ich künftig eben beide mit, und gut ist. Für Musik und Video sowie für meinen Terminkalender (Sync über den heimischen Mac!) bleibt der iPod zuständig, für die Kommunikation das Nokia.

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