Textbausteine, ungeschützt

Ein erfreulicher Nebeneffekt einer blühenden Blogszene ist, dass man sich als fauler Hund auf die dto. Haut legen kann und abwarten, bis jemand das schreibt, was man auch schon immer mal hatte schreiben wollen. Und selbst wenn der Jemand das viel besser schreibt, als man selber jemals hätte können: Egal, der Text ist in der Welt, und man selbst hat keine Arbeit damit gehabt.

Womit wir, mehr oder weniger logisch, beim Referentenentwurf (eines der wenigen Wörter der deutschen Sprache, in denen die mir gerade sehr lustig erscheinende Zeichenfolge „Entenent“ vorkommt!) für ein Leistungsschutzrecht wären, über das sich seit einigen Tagen engagierte Blogger und andere Autoren zu Recht aufregen.

Ich wünschte mir ja, Stefan Niggemeier hätte Recht mit seiner These „Selten war es so tot wie heute„… darf ich das jetzt so hinschreiben und verlinken? Vermutlich ja, denn Niggemeier ist ja beruflich einer von den Guten und wird mir schon keine Rechnung schicken.

Wenn aber nun nicht, gilt es vorbereitet zu sein, eine Strategie zu haben für den Tag, an dem bundesdeutsche Zeitungsverleger die Leistung, Texte anderer Menschen auf Papier zu drucken, geschützt wissen und damit Geld verdienen wollen. Deshalb an dieser Stelle schon mal, leistungsmäßig ungeschützt und im Übrigen unter einer CC-Lizenz stehend, meine Vorsätze für diesen Tag:

  1. Nimm dir ein Beispiel an der Vierbuchstabenzeitung. Deren Schlagzeilen (die wir künftig natürlich nicht mehr zu zitieren haben, „Papst“ hin oder her) sind so abgehoben, dass selbst der ausgebuffteste Anwalt nur selten einen beweisbaren Bezug auf die Realität herstellen kann. Aber Vorsicht: Während „Wir sind blöd“ höchstens als gesunde Selbsteinschätzung durchgeht, wäre „Wir sind BLÖD“ schon ein Fall für Springers Rechtsabteilung, die längst für die meisten „Wir sind…“-Variationen Titelschutz beantragt hat.
  2. Mache dich interessant. Folge dem Beispiel der deutschen Zeitungen und schreibe so einen Stuss wie „In einem Zeitungsartikel, der diesem Blog vorliegt…“. Wenn du schräg drauf bist, kannst du auch noch exklusiv dazuschreiben.
  3. Mache Deine Quellen unkenntlich, so wie es die Leistungsgeschützten auch gerne tun. Sie schreiben „Quelle: Internet“? Du schreibst: „Quelle: Kiosk“.
  4. Setze den Informantenschutz konsequent durch. Verwende Formulierungen wie „Heribert P. (59), aus Nittenau (Opf.), schreibt in einer süddeutschen Zeitung dies und jenes, oder so. Vielleicht meint er aber auch ganz was anderes“.
  5. Link nur noch auf die Seiten solcher Verlage, denen das Leistungsschutzrecht inzwischen echt peinlich ist. Solche soll es geben.
  6. Wenn du ganz sicher gehen willst, höre auf, (deutsche) Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, um nicht in Versuchung zu geraten. Fotografiere lieber deine Katze (vorausgesetzt, sie sieht Copy Cat nicht zu ähnlich…) und setze die Bilder ins Netz.

Für ein besseres, freieres Internet!

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