Testfahrt

Seit fünf Tagen betreibe ich mein Notebook (eMachines 5305, war 2003 auch eine Zeitlang, wenn auch unter anderem Namen, in Deutschlands Supermärkten erhältlich) mit der Linux-Distro du jour Ubuntu 5.04. Du jour ist Ubuntu aus verschiedenen Gründen:

  • Ubuntu ist gratis, und wenn man will, schicken die Ubuntisten einem sogar die Installations-CD per Post zu.
  • Ubuntu ist eine Debian-Distro – für die, denen das nichts sagt: That’s a good thing.
  • Ubuntu ist schlank (ich sagte es ja: die Installations-CD – „die“ wie in „eine“).
  • Ubuntu ist komplett – mehr oder weniger; aber ein funktionsfähiges und brauchbares System hat man nach der Installation in jedem Fall. Selbst meine Notebook-Hardware wurde ausnahmslos erkannt und richtig angesteuert (SuSE hat das nicht geschafft), zwei verschiedene WLAN-Karten schnurren ebenso zufrieden wie mein HP-Drucker, der für den Einsatz in der Windows-Welt noch tonnenweise Hilfsprogramme beansprucht hat.
  • Ubuntu ist open source – durch und durch. Kein Geld geht an Kapitalistenschweine Großkonzerne.

Und damit ist schon der Punkt angesprochen, die einem überzeugten Windows-Nutzer die Nase zwangsweise rümpft. Weil die Ubuntisten ihr Produkt strictly open source halten wollen, findet sich aber auch nicht der geringste Fetzen kommerzieller Software in der Installation: Java, RealPlayer & Co. müssen nachgeladen und selbst installiert werden. Das gilt zwar auch für eine Reihe von Programmen, die auf der CD keinen Platz mehr gefunden haben (eine Software-Firewall für reisende Notebook-Eigner, beispielsweise), erfordert aber anders als bei den Ubuntu-eigenen Nachinstallationen und Updates doch ein wenig Kenntnisse von der Architektur von Linux/UNIX-Systemen. Auch wie man als root hantiert (Ubuntu kennt übrigens den root-Account nicht standardmäßig, gibt aber auch dem User keine Admin-Rechte; root-Aktionen muss der erste eingerichtete User auf dem System durch nochmalige Eingabe seines Passwortes autorisieren.), ist nutzbringend.

Mit Nachladen, Installationen und Frickeln bekommt man aber dann doch das System zusammen, das der Mensch zur Arbeit braucht.

Arbeitsplatz ist GNOME, das mir im Vergleich mit seinem bunteren Bruder KDE immer ein wenig arg erdig dahergekommen ist (dafür aber auch durch und durch open source ist…). Mit ein paar heruntergeladenen Zusatz-Icons und ein paar kräftigeren Farben läßt sich aber doch eine ganz erfrischende Arbeitsumgebung schaffen (siehe Screenshot).

Auf diesem Screenshot ist auch zu sehen, wie meine Diskussion mit mir selbst ausgegangen ist: Gedankenorganisationstool im Einsatz ist jetzt doch FreeMind – weil es eine reine Java-Applikation ist und deshalb problemlos unter (jeglichem) Linux läuft.

Interessant ist, dass auf dem Notebook jetzt nur noch Software (ganz legal!) zum Einsatz kommt, für die der Mensch keinen Cent abdrücken muss – eigentlich das Umsteigeargument für die Geiz-ist-Geil-Gesellschaft. Und: Das Notebook muss viel weniger Platz und Kraft aufwenden, um Linux zu beherbergen und zu betreiben, als das unter Windows der Fall war.

Das nutzbare System ist also fertig und kann am Wochenende zum ersten Mal mobil zum Einsatz kommen. Ein paar Dinge sind jedoch noch zu erledigen: Meine Vodafone-UMTS-Karte muss sich jetzt an Linux gewöhnen (oder umgekehrt!), und Vodafone mag Linux gar nicht. Und zumindest in den sichereren Einzelfällen, in denen man nicht über völlig offene Hottschpotts drahtlos ins Netz geht, wäre WPA statt WEP (für die Verkabelten: Das sind Verschlüsselungsverfahren für drahtlose Netzwerke!) doch ganz hübsch. Zuhause habe ich ja Kabelanschluss ans Netz.

Ach ja, und iTunes für Linux wäre eigentlich auch ganz nett.