Wenn ich nachts nicht schlafen kann…

…sah Georg Kreisler, der diese Formulierung auch schon mal benutzt hat, gern zum Fenster raus und beobachtete zwei alte Tanten beim Tangotanzen. Ich kann heute nacht auch nicht so schlafen, wie ich will – ich bin für einen Schlaftest voll verkabelt – Foto existiert und wird in einem anderen Zusammenhang sicher noch einmal an dieser Stelle veröffentlicht. Die Vollverkabelung zum Zweck des Schlaftests – warjaklar – verhindert denselben schon seit einer halben Stunde recht wirkungsvoll.

Egal, denn:

Google Maps kennt St. Oberholz
Google Maps kennt St. Oberholz

Ja, gerade fand ich in meiner Mailbox eine Einladung von Google, mir doch mal Google Maps in der 2013er Edition anzugucken (so exklusiv können solche Einladungen also nicht sein – get yours here). Und um den Schlafrecorder mit allen Anzeichen der Aufregung vollends zu irritieren, habe ich das auch gleich gemacht – an einem Live-Beispiel, das die gesamte Leserschaft leicht nachvollziehen kann (s.o.).

Das St. Oberholz wird fehlerfrei gefunden, lustigerweise mit den beiden Begriffen cheese cake und laptop getaggt, was nicht die schlechteste Beschreibung ist. Dazu wird mir die Kritik von Fabian N. (4 Sterne von 5 möglichen) aus meinen Google+-Kreisen sofort angezeigt, zusammen mit Links zu 62 weiteren sowie reichlich Fotos aus St. Oberholz und Umgebung. Weil ich selbst schon im St. Oberholz war, lese ich sie nicht bzw. gucke sie mir nicht an, sondern lasse mir von Google Maps den schnellsten Weg dorthin anzeigen: 29 min. mit dem Auto, das ich nicht habe, 44 min. mit der S-Bahn, die um diese Zeit nicht fährt, und 2 Std. 49 min. zu Fuß. Das Fahrradsymbol ist ausgegraut.

Bleibe ich eben hier, obwohl ich mit dem Kabelsalat um Kopf und Brust sicher gut dorthin gepasst hätte.

Links unten im Screenshot ist ein kleines Quadrat mit der Aufschrift „Erde“, was die wörtliche Übersetzung des englischen Wortes earth wie in „Google Earth“ ist. Ein Klick darauf verdunkelt das Browserfenster dramatisch, und es wird die Satellitenansicht eingeblendet. Auch eine Schrägansicht gibt es, aber nicht im schicken Flyover-Stil, den iOS-Nutzer von ihren Satellitenbildern kennen.

Flachberlin
Flachberlin

Beachten Sie bitte, dass Google weiß, wo Arbeit auf mich wartet (Hinweis: Links oben im Bild).

Das ganze funktioniert in Google Chrome (und vermutlich auch Chromium) auf dem Rechner, unter Android meldet sich die aktualisierte Maps-App; mein Firefox dagegen wird noch mit der klassischen Version bedient, mit dem altbekannten Routenplaner, und ohne Fabian N.s Besprechung an prominenter Stelle. Korrektur: Ich hatte vergessen, mich im Firefox mit meinem Google-Konto anzumelden; selbstverständlich lassen sich die neuen Maps auch dort aufrufen, sie klemmen aber, sagen wir: ein wenig. Die Infos werden angezeigt, die Karte selbst nicht, was für eine Kartenanwendung zumindest ungewöhnlich ist.

Google personalisiert also mal wieder. Das kann man bedenklich finden oder furchtbar, und ich bin sicher, beides in den nächsten Tagen lesen oder hören zu können. Aber das ist nun mal Googles Kerngeschäft (also nicht, die Welt für den kleinen Egozentriker aufzubereiten, sondern ihn, den Egozentriker, mit Informationen zu versorgen, die ihn interessieren könnten), und darin ist es gut.

Aber um diese Zeit ist das St. Oberholz ohnehin zu (was mir Google nicht verschweigt), womit ich mir einen anstrengenden Fußmarsch erspart habe. Danke, Google.

Update: Hier erfahre ich, dass es nicht die Schuld des Firefoxen ist, dass er keine Karte anzeigen kann, sondern die des darunterliegenden Betriebssystems (dass die nochmal eine Rolle spielen im 2013er Netz…). Die Vollversion von Google Maps erfordert WebGL unter Windows, OS X oder Chrome OS; ein grundsolides Linux kann seinem Firefox nur die Lite-Version ermöglichen.

2 Gedanken zu „Wenn ich nachts nicht schlafen kann…“

    • Auch Google Maps kann man nutzen, ohne sich – gar mit einer GMail-Adresse – anmelden zu müssen. Der große Charme der beiden Lösungen (die eine ist ja eher eine Karte für einen Ort, für die Routenplanung ist dann die andere zuständig) ist die Offenheit der (user-generierten) Daten. Die Grundfunktionalitäten sind auch bei diesen Lösungen da, auch wenn die Bedienung manchmal ein wenig umständlich ist. Aber das gab es alles auch schon bei MapQuest und anderen Lösungen aus den 90er Jahren.

      Der Mehrwert, den Google Maps und auch andere kommerzielle Lösungen bieten – und ich meine damit nicht den Hinweis auf Restaurantkritiken meiner Freunde – liegt für mich in den Erweiterungen, wie z.B. alternative Streckenvorschläge gleich zu Anfang, Übertragung an die mobile Navigation (unter Android), Echtzeit-Verkehrsdaten, die Google u.a. aus den Daten anderer Android-Navis, deren Besitzer im Stau stecken, bezieht, etc.

      Natürlich werden hier tonnenweise Daten gesammelt, und ich kann mir auch Situationen vorstellen, wo ich das nicht will. Aber das Prinzip Google ist nun mal (nein, nicht „Don’t be evil“ – das gehört in eine andere Schublade, auf der groß „Marketing“ steht), diese Daten auch dem User wieder zur Verfügung zu stellen. Ähnliche Versuche hat es z.B. schon in den frühen 90er Jahren in Berlin gegeben, als ich-weiß-nicht-mehr-wer aus den Bewegungsprofilen der Berliner Taxis Erkenntnisse über die Verkehrslage gewinnen wollte. Damals war die Sache sehr teuer, weil sie mit Sendern in jedem Auto und Empfängern an jeder Verkehrsampel verbunden war, und ich weiß auch nicht, ob es jemals ein Erfolg wurde. Mit GPS und vielen freiwilligen Datenlieferanten (die sich hoffentlich ihres Status als solche bewusst sind!) geht’s auch – und billiger.

      Die Währung, mit der wir zahlen, sind Daten. Aber das sollten wir ohnehin nicht vergessen, nicht nur im Falle Google.

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