Tapetenwechsel

60 Jahre deutsche Tapetengeschichte
60 Jahre deutsche Tapetengeschichte

Ein Tapetenwechsel steht an. Von der „neuen Wohnung“ zu reden, trifft nur mittelbar zu: Die Wohnung wird in diesem Jahr 110 Jahre alt, und die absolute Mehrheit dieser Jahre, nämlich 60 Jahre hat meine direkte Vormieterin in dieser Wohnung gelebt, bevor sie mit über 100 Jahren den letzten Umzug antrat.

Entsprechend war einiges zu tun. Der Vermieter machte mir ein Angebot zur Renovierung I couldn’t refuse: Bad, Fußboden, Kücheninstallation, Heizung und Elektrisch macht er, Tapete runter, Tapete rauf und Farbe rauf ist dagegen meine Zuständigkeit. Wobei es mir freisteht, diese Aufgabe selbst zu machen (ha!) oder outzusourcen.

Selber machen? Mit über 50 macht sich der Mensch nur noch wenig Illusionen über seine handwerklichen Fähigkeiten. Und wenn unter vier bis fünf Schichten Tapete Krümelputz aus der Vorkriegszeit (Weltkrieg 1, nicht 2!) lauert, wird aus einer beabsichtigten Renovierung rasch die erste Stufe eines Abrisses.

Und wieder macht der vernetzte Mensch eine neue Erfahrung – mit myhammer.de, dem sozialen Netzwerk, wo Handwerker auf handwerkersuchende Menschen treffen. Und wie schnell…! Innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntgabe des beabsichtigten Tapetenwechsels hatte ich sieben Angebote und sechs Anfragen, ob man sich denn vor Abgabe eines Angebotes mal die Bescherung Wohnung ansehen könnte.

Bei der Auswahl habe ich dann mal alle Anbieter vor sich selber (und mich vor ihnen!) geschützt, die eine verwinkelte 76-qm-Wohnung mit Kammern und Doppelfenstern ohne Ende zum Festpreis von deutlich unter € 3000 von 60 Jahren Tapetengeschichte befreien, ausgiebig spachteln, neu tapezieren und streichen wollten. Des weiteren flogen Anbieter ohne erkennbare fachliche Qualifikationen raus („E-Post-Brief“ mag zwar eine interessante Sache sein, hilft aber beim sauberen Tapezieren nur mittelbar) – nicht fachgerecht arbeiten kann ich selber. Tapetenarchäologen haben sich leider nicht gemeldet; übrig blieben schließlich diejenigen mit realistischem Angebot (beurteilt in Absprache mit dem Haustechniker) oder dem Vorschlag, erst mal zu gucken. Ausgewählt habe ich dann ganz konservativ einen Anbieter mit Zugehörigkeit zur Handwerkskammer und entsprechenden Ausbildungsnachweisen – und mit einer Zufriedenheitsquote von 100%. Kam mir vor wie bei der Bewertung von eBay-Verkäufern.

Am Montag um sieben geht’s los. Ich bin gespannt.