Wer den Wal hat

Düstere Aussichten (Rheinsberg, abends)

Für Kenner habe ich da ein absolut zuverlässiges Rezept, sich einen an sich ganz passablen Wahlsonntag gründlich zu versauen: Zum Frühstück mit Cappucino und Oatmeal (Porridge ist was für Hipster!) die Wochenendzeitung auffem iPad lesen. Dann die üblichen Nachrichtenseiten auf dem gleichen iPad abklappern, dazu die persönliche Feedliste. Und überall: AfD, AfD, AfD. Als ob … Weiterlesen

I Want a New Duck

New ducks (Symbolbild)
New Ducks (Symbolbild)

Große Abweichung vom eigentlichen Thema, noch bevor der Beitrag überhaupt angefangen hat: Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Band mit dem Namen Huey Lewis & the News. Diese Band hatte einen Hit mit „I Want a New Drug“ und einen Prozesserfolg, als ein Richter urteilte, der Titelsong zum ersten Ghostbusters-Film sei ein Plagiat davon. Kein Plagiat, sondern eine Parodie war „I Want a New Duck“ von „Weird Al“ Yankovic. Und obwohl ich gestern zum x-ten Mal in einer SEO-Schulung gelernt habe, dass man Google zuliebe sowohl den Titel wie auch die ersten Zeilen eines Online-Artikels mit themenrelevanten Schlagworten nur so zuballern soll, schreibe ich lieber solchen Schmonzes über neue Enten.

Denn natürlich sind mir Enten wurscht. Was wir brauchen, mehr denn je, ist eine neue Politik. Das ist nicht nur meine Erkenntnis nach dem Schock vom letzten Mittwochmorgen, als die Welt überrascht feststellen musste, dass die USA entweder mehrheitlich von Idioten bewohnt wird, oder dass sie eben nicht von Idioten bewohnt wird, sondern von Menschen, die mit der bisher praktizierten Politik so wenig anfangen können, dass sie mit Hilfe des antiquierten Wahlsystems der USA lieber Donald Trump zum Präsidenten wählen als irgendjemand, der von Politik eine Ahnung hat, weil er in der Vergangenheit tatsächlich Politik gemacht hat.

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Wer die Wahl hat etc.

Seit einigen Tagen lasse ich mir jeden Morgen (Qualitätsjournalismus!) von zeit.de unter der Überschrift „Fünf vor 8:00“ einen Kommentar zum Tage (man nennt sowas auch Leitartikel) in die Mailbox schmeißen (gibt es auch als Feed!). Es schadet nichts, vor dem Weg zur Arbeit ein paar schlaue Gedanken zu lesen, über die man sich aufregen kann oder auch nicht.

Seit gestern morgen, fünf vor acht, liegt ein Kommentar von Robert Leicht in meiner Mailbox rum, der da zu begründen versucht, warum wir keinen Wahlkampf erleben, und zur behutsamen Nichtbefassung nahezu aller, jedenfalls aber der beiden großen Parteien mit NSA, Prism & Co schreibt:

[…] ist aus den Hauptthemen dieser Vergangenheitsbewältigung kein parteipolitisch zündender Funke zu schlagen. Und zwar deshalb, weil beide große Parteien an dieser Vergangenheit jeweils selber maßgeblich beteiligt waren.

Hier irrt Leicht (diesen Satz hatte ich schon immer mal schreiben wollen!). Obwohl ihm auch noch Ex-Innen- und Verunsicherungsminister Otto Schily (SPD) als Kronzeuge zur Verfügung steht, der die herrschende Aufregung über NSA, Prism & Co. als „Getöse“ bezeichnet.

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Politik, deutsche!

I’m speechless. Speechless! I have no speech. (George Costanza, zit. n. WikiSein)

Regelmäßige Leser haben es sicher schon festgestellt: es gab nichts zu lesen an dieser Stelle in den letzten Tagen. Das lag nicht daran, dass es nichts zu sagen gäbe über die angebliche oder wirkliche Ahnungslosigkeit unserer Bundesregierung in Sachen Prism, Tempora & Co., über die Sache mit einem Prism oder zwei, und welcher Minister nun wofür zuständig ist, über die offenbar echte Verblüffung mehr oder weniger führender sog. Sicherheitspolitiker darüber, wie WWW (wir haben es ja erst seit 20 Jahren…) und Email (noch viel länger) funktionieren, über die Wurschtigkeit und Luschigkeit, die unsere Kanzlerin in dieser Sache demonstriert, aber auch über das Nichtsgewussthabenwollen früherer Regierungs- und Mitregierungsparteien…

Über all das gibt es mehr als genug zu sagen, nur eben nicht hier, weil: s.o. Ich bin buchstäblich sprachlos.

Ob es die Erkenntnis ist, dass offenbar weltweit Meinungs- und Gedankenfreiheit abgeschafft („Shtonk!“) wurden, ohne dass wir es gemerkt haben, dass die Privatsphäre abgeschafft („Shtonk!“) wurde, das Recht auf Unverletzlichkeit der eigenen Wohnung und das auf informationelle Selbstbestimmung („Shtonk, Shtonk!“), und das mit dem Verweis auf ein angebliches „Supergrundrecht“ (geht’s noch alberner, Herr Minister?), oder ob es die Erkenntnis ist, dass auf einmal im Grunde alle bisher halbwegs wählbaren Parteien und Politiker mit einem Schlag unwählbar geworden sind – ich bin sowas von sprachlos. Sprachlos vor Wut.

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Politik, deutsche!

Glaub bloß nicht, dass ich die ganze Zeit nur verliebt auf mein neues Spielzeug bzw. auf die zollamtliche Ankündigung desselben starrte und deshalb nicht mitbekäme, was du so treibst in der Zwischenzeit. Ich habe durchaus mitbekommen, dass die SPD als solche das Leistungsschutzrecht zwar schlecht findet, aber trotzdem – aus Angst vor der Axel Springer AG, etwa? Kanndonnich… – widerstandslos durch den Bundesrat läßt. Ich habe auch die Sache mit der Neuregelung der Bestandsdatenauskunft mitbekommen – auch wenn mir wie auch anderen nicht klar ist, wie ein Gesetz mit so wenig Sachkenntnis… aber lassen wir das.

Jedenfalls wundert mich inzwischen nicht mehr, dass Schwarz-Geld und Rot-Grün auch bei den Wählern inzwischen auf dem gleichen Niveau angekommen sind; mich wundert nur, dass es immer noch so hoch ist.

Politik, wir müssen reden.

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Gestern Pirat, heute privat

Ahoi und so.
Ahoi und so.

Im Nebenzimmer läuft die Tagesschau. Vorläufige Zusammenfassung der Landtagswahl in Niedersachsen. FDP drin, Linke draußen, Piraten draußen. Was wird Angela Merkel am Telefon mit David McAllister zu besprechen haben? Schwarz-grün, um die Grünen vor der Bundestagswahl zu sprengen? Oder ein grummeliges „Weiter so“, weil Phantasie in der Politik ohnehin nicht weiterführt? Update, nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis: Auch egal.

Dass die Linke im niedersächsischen Landtag nicht mehr vertreten ist, ist mir reichlich wumpe. Noch nicht einmal zu einem herzhaften „Ha!“ hat es gereicht. Etwas anders ist es aber mit der Rausflug der Piratenpartei (ältere Leser dieser Seiten werden sich erinnern, dass ich damals, 2009, selbst ein paar Monate lang piratische Anwandlungen und so… siehe Symbolbild). Und angesichts meiner inzwischen feststehenden Meinung über politische Unsensibilitäten und kindergartige Namensgebung hätte man erwarten können, dass ich bei der Prognose um 18:00 Uhr besagtes herzhaftes „Ha!“ ausgestoßen hätte.

Aber wozu nur?

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Textbausteine, ungeschützt

Ein erfreulicher Nebeneffekt einer blühenden Blogszene ist, dass man sich als fauler Hund auf die dto. Haut legen kann und abwarten, bis jemand das schreibt, was man auch schon immer mal hatte schreiben wollen. Und selbst wenn der Jemand das viel besser schreibt, als man selber jemals hätte können: Egal, der Text ist in der Welt, und man selbst hat keine Arbeit damit gehabt.

Womit wir, mehr oder weniger logisch, beim Referentenentwurf (eines der wenigen Wörter der deutschen Sprache, in denen die mir gerade sehr lustig erscheinende Zeichenfolge „Entenent“ vorkommt!) für ein Leistungsschutzrecht wären, über das sich seit einigen Tagen engagierte Blogger und andere Autoren zu Recht aufregen.

Ich wünschte mir ja, Stefan Niggemeier hätte Recht mit seiner These „Selten war es so tot wie heute„… darf ich das jetzt so hinschreiben und verlinken? Vermutlich ja, denn Niggemeier ist ja beruflich einer von den Guten und wird mir schon keine Rechnung schicken.

Wenn aber nun nicht, gilt es vorbereitet zu sein, eine Strategie zu haben für den Tag, an dem bundesdeutsche Zeitungsverleger die Leistung, Texte anderer Menschen auf Papier zu drucken, geschützt wissen und damit Geld verdienen wollen. Deshalb an dieser Stelle schon mal, leistungsmäßig ungeschützt und im Übrigen unter einer CC-Lizenz stehend, meine Vorsätze für diesen Tag:

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Ahoi! Oder auch nicht.

Seit Tagen befremdet mich meine Ausgeglichenheit, auf einmal fällt’s mir ein: Ich hab ja alle Mailinglisten der Piraten abbestellt! schreibt twittert Bov Bjerg (mit dem ich eigentlich auch mal ein ruhiges Bier trinken gehen wollte will) und ist dabei nur ein ganz klein wenig ungerecht; denn zumindest auf der Berliner Piratenliste ist in den letzten … Weiterlesen

Über das Schweigen nach der Wahl

Es hängt ein merkwürdiges, fast bedrohliches Schweigen über diesen Seiten am Tag, nachdem die Republik schwarz-gelb geworden war. Anderswo bejubelt man Siege, bejammert den Niedergang des (sozialdemokratischen) Abendlandes oder macht sich über Westerwelle lustig, weil er kein Englisch kann. Und hier? Verbissenes Schweigen. OK. Einen Außenminister, der keine Fremdsprachen kann, hatten wir schon mal; er … Weiterlesen

Und nu?

Zunächst möchte ich den Wählerinnen und Wählern danken – nicht, dass sie mich gewählt haben (dafür habe ich einfach zu wenig kandidiert), sondern dafür, dass sie mir uns allen anderen mit einem relativ klaren Ergebnis gezeigt haben, wo’s lang geht in diese Land in den nächsten Jahren. Ich gebe zu: ich hatte mit einer Fortsetzung … Weiterlesen