Der tägliche Besuch der alten Dame

Tagesschau 1970
Tagesschau 1970 (tagesschau.de)

Es muss was mit der redlich erworbenen Eigenschaft als Alter Zausel™ zu tun haben: (Fast) jeden Abend, kurz vor 20:00, geht der Griff zur Fernbedienung, drückt der Daumen auf die „1“ – nicht nur jetzt, wenn lange Abende in der Klinik herumzukriegen sind, sondern eigentlich immer.

Der Schreiber dieser Seiten lebt im 21. Jahrhundert und nimmt seine Nachrichten entsprechend auf. Mehrmals am Tag guckt er in den Feedreader und auf die Seiten einer Reihe von Nachrichtenanbietern. Eilmeldungen bekommt er per Push-Nachricht von verschiedenen Quellen, seinem eigenen Arbeitgeber inclusive. Zeitungen liest der Schreiber dieses seit Jahren nur noch sehr unregelmäßig, selbst in elektronischer Form. Für andere TV-Inhalte, also Nicht-Nachrichten, gibt es die Mediatheken und second screens. Und schon vor zehn Jahren verkündete ich meinem damaligen TV-Direktor das kommende Ende des linearen Programmes (was er nicht wirklich hören wollte).

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Untaugliche Mittel

Der folgende Text entstand als Gastbeitrag für irights.info (CC by-nd Lizenz):

Früher war alles… nun ja, vielleicht nicht besser, aber doch sehr viel einfacher mit diesem Fernsehen. Man hatte eine Handvoll Fernsehprogramme, öffentlich-rechtlich (West) oder staatlich (Ost), man hatte zwei Farben (schwarz und weiß), und wer nicht pünktlich zur Sendung vor dem Fernsehgerät saß, dem blieb nur auf eine Wiederholung zu hoffen und zu warten.

Das ist lange her. Dann wurde es kompliziert. Wir Zuschauer wurden unabhängig(er) von den Sendezeiten, vorausgesetzt, das Geld reichte für einen Videorecorder, und wir schafften es, das Ding korrekt zu programmieren. Die Anbieter jammerten zwar, dass die VHS-Technik ihnen das Geschäft kaputtmachen würde; gleichzeitig entdeckten sie, wie man mit der Hilfe der gleichen Technik Geld verdienen konnte, indem man bespielte Kassetten an die verkaufte, die es nicht geschafft hatten, ihren Videorecorder so zu programmieren, dass er aufnahm, was er aufnehmen sollte.

Und dann kamen die digitalen Medien, die CD, die DVD, die Blu-Ray-Disk, die MP3- und MP4-Dateien. Und seitdem ist alles – sagen wir – unübersichtlich.

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Dongle im Haus

Was nehme ich jetzt nur als Bild für diesen allerersten und vermutlich -letzten Erfahrungsbericht mit Chromecast in diesem Haushalt? Meinen Fernseher mit irgendwelchen Bildern drauf? Ein Bild von Chromecast, wie es hinten links in meinem Fernseher steckt? Ein Katzenbild? Ja, ein Katzenbild! Is‘ eh wurscht…

Toskanischer KaterHier jetzt also auch: Chromecast. Um Carola Heine zu zitieren (verlinkt, obwohl nur für Facebook-Nutzer zu sehen, wenn ich die aktuellen Sicherheitseinstellungen da richtig verstehe):

Ich muss ja leider immer alles haben, schon wenn es „Dongle“ heißt.

Ich habe also dieses € 35,00-Dings, das meinen Fernseher mit dem Netz verbindet und mir YouTube- und andere Zappelbilder auf den Fernseher bringt. Das tut mein Blu-Ray-Player zwar auch, und wenn mein Fernseher nicht dumb wäre, sondern smart, könnte er das glatt selber. Was bei diesen Lösungen bleibt: Bedieneroberflächen, die an Benutzerfreundlichkeit (und Eleganz) leicht zu überbieten sind – eine Suchanfrage nach einem Filmtitel mit den Cursortasten einer Fernbedienung einzugeben, vor allem, wenn die Katze vor dem IR-Empfänger des Fernsehers hocken will, ist unseres Jahrhunderts nicht würdig.

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Abstraktes zum Sonntag

Aus Gründen™ habe ich mich in den letzten Tagen zum wiederholten Mal mit dem Dualismus „Programm vs. Content“ beschäftigt. Wie bekannt sein dürfte, arbeite ich für ein Unternehmen, das seit den fünziger Jahren im Geschäft mit (Radio, später auch Fernseh-) Programmen, seit der Mitte der neunziger Jahre auch im Geschäft mit content, also Inhalten ist, die je nach Bedarf und Interesse abgerufen werden können. Sprich: Internet.

Während ich also, ebenfalls in den letzten Tagen, meinen Beitrag zum Zeitungssterben geleistet habe, indem ich, leise „Papier allein ist kein Qualitätsmerkmal“ vor mich hinmurmelnd, mein letztes Zeitungsabo kündigte, machte ich mir Gedanken über die mediale Zukunft. Dabei dachte ich an ein Memo, das ich im Jahr 2006 unaufgefordert an meinen Chef schickte, und das er mir ebenso unaufgefordert verbal um die Ohren haute, weil ich darin das Ende des „Programms“, also des linear ausgestrahlten Radio- und Fernsehangebotes, prognostizierte, während „Content“, also der beliebig abrufbare mediale Inhalt, das journalistische Produkt der Zukunft sei.

Auch wenn mein Arbeitgeber eine ganze Reihe seiner Radio-Programme inzwischen eingestellt hat und dafür IP-basierte Angebote (sprich: Internet) stark ausbaut, ist das lineare (Fernseh-) Programm alles andere als auf dem absteigenden Ast.

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Ent/Polit-TV

War ich beim spätabendlichen Zappen doch in der Jubelsendung gelandet, die der NDR zum 50. Geburtstag seiner Sendung „Panorama“ (50 Jahre? Heiliger Merseburger!) veranstaltet hatte, und hatte mit einer gewissen Rührung die Erinnerungen alter Männer unterschiedlichen Alters an die Auseinandersetzungen verfolgt, die in den sechziger, siebziger, achtziger Jahren zwischen Politik und Politikfernsehen abliefen… …die Versuche … Weiterlesen

Radio Star, killed

Es war in der dritten Stunde des österlichen Auto-Ausflugs (der ersten der Rückfahrt), als von hinten die Frage kam, auf die ich hätte vorbereitet sein müssen, auf die ich aber nicht vorbereitet war. „Können wir ein bisschen Musik hören?“ Die Frage ist legitim, wenn man sich vor Augen hält, dass die Schorfheide zu Fuß wesentlich … Weiterlesen

Liebe Frau Schrowange, c/o RTL,

das wäre doch nicht nötig gewesen, dass sich der Mitarbeiter Ihrer Sendung diese Mühe gemacht hat, uns zu beweisen, dass die Schauspieler im RTL-Zweiteiler “Hindenburg“ gar nicht wirklich in, an und auf einem ganz echten Zeppelin herumturnten, sondern im Studio, auf einem IKEA-Parkplatz und einer “Wiese bei Osnabrück“… …das hätten und haben wir auch ganz … Weiterlesen

Sind sie zu stark…

Gemäß dem in der Überschrift andeutungsweise zitierten Werbespruch eines britischen Rachenputzers in Tablettenform habe ich mich immer bemüht, mich von starken Einflüssen möglichst unbeeinflusst zu zeigen. Derartige Einflüsse umfassen u. a. Fisherman’s Friend, stürmische Anflüge auf den National Airport in Washington, Tabasco, 13 Fallschirmsprünge und dergleichen Unsinn mehr. Heute abend habe ich meinen Meister gefunden. … Weiterlesen